Aquarena öffnet 2020 nicht mehr

Veröffentlicht am 10. Juni 2020 von Johannes Michel

Es war eine emotional geführte Diskussion. Die Marktgemeinderäte beteiligten sich rege, tauschten Argumente aus. Nach zwei Stunden fiel die Entscheidung mit zehn zu neun Stimmen, knapper hätte sie also nicht getroffen werden können: Das Zapfendorfer Freibad Aquarena öffnet in diesem Jahr nicht mehr. In sozialen Netzwerken und auch bei einer Protestaktion vor dem Rathaus zeigt sich: Viele Zapfendorfer sind damit nicht einverstanden.

Schon in der konstituierenden Sitzung des Markgemeinderats am 13. Mai klang es durch: Eine Schwimmbadöffnung im laufenden Jahr steht auf der Kippe. Nach den Corona-Maßnahmen war die Auswinterung des Aquarena gestoppt worden, zum Zeitpunkt der Sitzung war somit nur das Nichtschwimmerbecken für die Saison bereit – und von der bayerischen Staatsregierung hatte es noch keine Signale gegeben, wie es weitergehen könnte. Diese folgten dann rund zehn Tage später – mit einer ersten Perspektive. Geschäftsleiter Markus Müller-Hoehne hatte in der konstituierenden Sitzung erklärt, die Entscheidung über eine Öffnung oder den Ausfall der Badesaison 2020 liege allein beim Gemeinderat – und der traf sich dann am 4. Juni zur nächsten Vollsitzung.

Zwei Stunden lang wurden die Argumente ausgetauscht. Auf der Pro-Seite für die Öffnung stand vor allem die Frage, ob durch eine Schließung des Freibads nicht ein starkes Ausweichen auf die Baggerseen stattfinde, wo eine Hygieneüberwachung kaum möglich wäre. Auch das zusätzlich entstehende Defizit – Müller-Hoehne ging von bis zu 800.000 Euro statt der für eine normale Saison berechneten 400.000 Euro aus – sahen einige Räte als verkraftbar an. Aber auch zahlreiche Kontra-Thesen fanden sich – vom bereits erwähnten hohen Defizit über die ohnehin verkürzte Badesaison bis hin zum ausbleibenden Badespaß aufgrund der Hygieneregeln. Die Gemeindeverwaltung war zudem von einer Besucherbeschränkung auf 300 Personen, einem „Schichtbetrieb“ und der Beauftragung von Security ausgegangen. Auch wolle der Markt Zapfendorf nicht für einen eventuellen Corona-Infektionsherd verantwortlich sein müssen, wie Bürgermeister Senger erwähnte. Auf das Ende der Diskussion folgte die Abstimmung – zehn Gremiumsmitglieder sprachen sich gegen eine Öffnung in dieser Saison aus, das Schwimmbad bleibt damit bis mindestens Mai 2021 geschlossen.

Blick ins Freibad Aquarena bei einem Sommernachtsfest (Archivfoto).

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Karin Eminger

Sanierungsarbeiten während der Schließzeit

Während der Schwimmbadschließung sollen allerdings einige Aufwertungen und Sanierungen durchgeführt werden. Müller-Hoehne erwähnte im Gespräch mit Nachrichten am Ort unter anderem die Renovierung der Wärmehalle, neue Spielgeräte für den Spielplatz, Verbesserungen am Planschbecken und neue Regelungstechnik.

Im Nachgang zur Sitzung entstand in der Facebook-Gruppe „Unser Zapfendorf“ eine rege Diskussion zum Beschluss des Gemeinderats. Dort kam unter anderem die Forderung auf, das Bad in der Zeit des Besucherstopps umfänglich herzurichten. Am 9. Juni versammelten sich zudem rund 30 Zapfendorfer vor dem Rathaus, um gegen die Entscheidung zu protestieren. Vorgetragen wurden hier die Argumente, dass gerade jetzt eine solche Einrichtung wie das Schwimmbad für Familien wichtig sei, dass die Badeseen in der Umgebung und ihr sensibler Naturraum zu stark belastet werden könnten und dass das Aquarena ohnehin eines der rar gesäten Highlights in Zapfendorf sei, womit der Ort durch die Schließung deutlich an Attraktivität verliere. Zudem wisse niemand, ob im Jahr 2021 nicht auch noch das Corona-Thema bestimmend sei. Und: Man sollte nicht die Frage der Wirtschaftlichkeit des Bades in den Vordergrund stellen.

Gegenüber vom Rathaus versammelten sich viele Schwimmbadfreunde und forderten die Öffnung.


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  1. David Behringer 10. Juni 2020 at 10:21 - Antworten

    Hallo

    wenn es heißt das Bad bleibt zu und dann ist es so und fertig aus da gibt’s keine Diskussion mehr

    Eine gut Entscheidung

    Gruß David

  2. Wolfschmitt Artur 10. Juni 2020 at 17:56 - Antworten

    Die Entscheidung der Gemeinderäte kann ich aus wirtschaftlicher Sicht nachvollziehen, obwohl ich es als regelmäßiger Schwimmer (mehrfache Bandscheiben OP`s) sehr bedaure.
    Aus meiner Sicht ist die derzeitige Finanzierung der gemeindlichen Schwimm – /Hallenbäder schon seit Jahre so nicht mehr tragbar. Gemeinden wie Zapfendorf oder Bischberg belasten damit ihre Bürger sehr stark, obwohl diese oft nicht einmal zu 50 % die Nutzer dieser Einrichtungen sind.
    Sind die Bürgermeister und sonstigen Verantwortliche dieser Gemeinden schon einmal an den Landkreis herangetreten um ggf. eine gemeinsame Trägerschaft und Kostensplitting zu diskutieren. +
    Ich hoffe nicht, daß in den n. Monaten eine Person, evtl. sogar ein Kind im Main oder einen Baggersee ertrinkt. Dann würde das Geplärre wiedereinsetzen, daß wir immer weniger Schwimmer unter unseren Schulabgängern haben.

  3. Norbert Oswald 18. Juni 2020 at 02:00 - Antworten

    Als sich bei der diesjährigen Bürgermeisterwahl herauskristallisierte das es zwei ernsthafte Bürgermeisterkandidaten gab , war ich froh von beiden fast gleichlautende Aussagen zum Thema Schwimmbad zu hören.
    Das Schwimmbad bleibt geöffnet, und das Schwimmbad ist eine Herzensangelegenheit.
    Bereits seit jungen Jahren besuche ich das Schwimmbad sehr häufig…in den letzten Jahren mit meinen Kindern immer wenn es das Wetter und die Zeit zulassen.Es ist Teil unseres (Sommer-)Lebens und echte Lebensqualität.
    Schade nun das von Seiten der Gemeinde, augenscheinlich bereits vor geraumer Zeit, die Vorentscheidung gefällt wurde das Schwimmbad möglichst nicht zu öffnen.
    Daran hat auch die Ankündigung der Staatsregierung Schwimmbäder grundsätzlich wieder öffnen zu lassen, nichts geändert.
    Im Gegensatz zu vielen anderen Gemeinden im Landkreis Bamberg gab es leider keinerlei Bemühungen das Schwimmbad für die eigenen Bewohner sowie umliegende Gemeinden trotz aller Widrigkeiten zu öffnen.
    So gab es auch kein schlüssiges Konzept das Schwimmbad möglichst kostenschonend zu betreiben , sondern nur den Vorschlag der Schließung , wobei als Grund ein Worst Case Szenario angeführt wurde mit horrenden Kosten, die aber weder nachweisbar noch schlüssig waren .
    Somit dürfen wir ( und damit auch ich als Gewerbe- und Einkommensteuerzahler ) zwar Verluste von ca. 350.000,00 tragen, erhalten aber dafür nicht mal das Vergnügen unser Freibad zu nutzen.
    Sinnvoller wäre es gewesen ein Konzept zu erarbeiten bei dem , z.B. durch reduzierte Öffnungszeiten, veränderte Eintrittspreise, Reduzierungen auf der Ausgabenseite etc. ein Defizit minimiert wird ohne das Bad vollständig schließen zu müssen.
    So würden für mich Bürgernähe gepaart mit betriebswirtschaftlichen Überlegungen aussehen, bei denen man auch nicht so kurzfristig Wahlversprechen über den Haufen werfen muss.

    • Frank Gohlisch 25. Juni 2020 at 13:10 - Antworten

      Schade , ein neuer Bürgermeister mit neuen Gemeinderäten stimmen, wenn auch knapp , gegen die Öffnung Ihres Vorzeigeobjektes !? Selbst eine langjährige , altgediente Gemeinderätin und Befürworterin des Bades stimmt dagegen . Armes Deutschland , armes Zapfendorf. Ist der finanzielle Aspekt wirklich wichtiger als der Nutzen für unsere Kinder, Badegäste aus der Gemeinde und Nah und Fern ?? Eines der schönsten Freibäder weit und breit mit seiner fast unbezahlbaren Warmwasserquelle ( Bayerische Milchindustrie) öffnet nicht während einige andere , wenn auch eingeschränkt, öffnen !!??

  4. Gohlisch 25. Juni 2020 at 12:55 - Antworten

    Prima Beiträge von Oswald und Wolfschmitt , wie schnell man doch aus einem angeblichen Vorzeigeprojekt eine nutzlose „Oase“ machen kann . Für den neuen Bürgermeister mit seinen neuen Gemeinderäten scheint der Virus ein gefundenes Fressen zu sein , schade für unsere Kinder , Bürger der Gemeinde und alle Besucher die das Bad so gerne besuchten . Enttäuschend das sogar der Bürgermeister sowie eine jahrzehntelange Befürworterin des Bades dagegen stimmen !! Anscheinend ist der finanzielle Aspekt wichtiger als der sinnvolle Nutzen eines der schönsten Freibäder weit und breit mit seiner fast unbezahlbaren Warmwasserquelle ( Bayerische Milchindustrie Zapfendorf)

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