Dorftour: Ebing statt Kemmern, lange Diskussion im Gemeinderat

Veröffentlicht am 14. Juli 2017 von Johannes Michel

Vorstellung des Ferienprogramms, die Genehmigung für eine Straßensperrung während der Kirchweih und ein Antrag für einen Zuschuss zu einer Typisierungsaktion gegen Leukämie. Die Tagesordnung der Gemeinderatssitzung in Kemmern vom 13. Juli 2017 las sich übersichtlich. Die Sitzung selbst war es dann nicht. Insbesondere aufgrund eines Themas, das gar nicht auf der Einladung stand.

Vom 17. bis 21. Juli 2017 führt Radio Bamberg einmal mehr seine Dorftour durch. In fünf Gemeinden macht der Sender für jeweils drei Stunden Station, sendet live, es gibt Freibier und Gratis-Bratwürste. Welche Gemeinden es werden, wird ausgelost. Auch aus Kemmern ging eine Bewerbung ein, Kemmern wurde gewählt, als Termin hatte Radio Bamberg den 21. Juli festgelegt. In einem Telefongespräch zwischen Marcus Appel von Radio Bamberg und Bürgermeister Rüdiger Gerst am 3. Juli stellte sich dann schnell heraus: ein schlechter Termin. Denn zeitgleich findet in der Kirche die Firmung statt. Das Ortszentrum rund um den Kirchplatz schied damit als Veranstaltungsort aus.

In einem Telefonat mit Nachrichten am Ort bestätigte Appel, dass Bürgermeister Gerst zu keinem Zeitpunkt gesagt habe, er wolle das Fest nicht. Er habe lediglich darauf hingewiesen, dass aufgrund der vielen Veranstaltungen rund um die 1000-Jahrfeier der Bauhof sowie die Mitarbeiter der Verwaltung ausgelastet seien und daher nicht bei Aufbau und Organisation unterstützen könnten. Es habe zwar das Angebot gegeben, die Gewinnerin selbst könne sich einbringen, bei Radio Bamberg sei aber schlussendlich die Entscheidung gefallen, einen anderen Veranstaltungsort zu suchen. „Kemmern ist damit nicht draußen, aber wir haben entschieden, lieber auf einen anderen Zeitpunkt zu verschieben“, so Appel telefonisch. Eine Bewerbung sei jederzeit wieder möglich. Die Dorftour macht nun stattdessen Station in Ebing.

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Ferienprogramm mit fast 30 Veranstaltungen

Bürgermeister Rüdiger Gerst, der in seinem allgemeinen Bericht die Situation darlegte, verwehrte sich dem Eindruck, er selbst habe die Veranstaltung abgesagt – es habe sich eine Eigendynamik entwickelt. Jochen Förtsch (Zukunft für Kemmern, ZfK) meinte: „Wenn man das Fest in Kemmern gewollt hätte, hätte man es in den Ort holen können“, gegebenenfalls nicht an den Kirch-, sondern etwa den Festplatz. Er wies außerdem darauf hin, dass es eine Voranfrage des Veranstalters gegeben habe. Gerst wies das zurück. Gemeinderat Ulrich Brehm (CSU) zeigte sich frustriert über die aktuelle Situation in Kemmern. Bewusst würden Falschmeldungen verbreitet, etwa eine Sprachnachricht zu diesem Thema über WhatsApp.

Von der eigentlichen Tagesordnung wurden nach einer weit über 30-minütigen Diskussion zur Dorftour einige Punkte schnell abgearbeitet, etwa ein Antrag der Brauerei Wagner auf Sperrung von Teilbereichen der Hauptstraße vor der Brauerei am Kirchweihwochenende. Die Sperrung kann erfolgen, allerdings muss ein Korridor für Rettungsfahrzeuge und Fußgänger sowie für den Kirchweihumzug freigehalten werden. Das Ferienprogramm 2017 präsentierte anschließend der Jugendbeauftragte Hans-Dieter Ruß. 27 Veranstaltungen werden angeboten, zahlreiche Vereine und Institutionen nehmen teil. Einige Programmpunkte sind bereits ausgebucht. Er verlas zudem ein Schreiben von Julia Schatkowski-Amtmann von der ZfK, die sich in diesem Jahr nicht am Ferienprogramm beteiligt. Als Grund wird die Art und Weise, wie mit dem Verein umgegangen werde, genannt. Man sei menschlich enttäuscht.

Typisierungsaktion soll nach Kemmern kommen

In Zusammenarbeit mit dem Verein „Hilfe für Anja e.V.“ will die Wählergruppe Zukunft für Kemmern eine Typisierungsaktion „Gemeinsam gegen Leukämie“ durchführen. Das Vorhaben wurde vom gesamten Gemeinderat begrüßt. Der eigentliche Antrag auf einen Zuschuss in Form mehrerer kostenloser Seiten im Mitteilungsblatt für eine Aufklärungskampagne fand aber mit 3 zu 10 Stimmen keine Mehrheit.

Gerst verwies auf die Beschlusslage des Gemeinderates aus den Jahren 1995 und 2008, dass örtliche Vereine einen Rabatt von einem Drittel auf den eigentlichen Preis einer Seite (Normalpreis: 120 Euro) bekämen. Vor dem Grundsatz der Gleichbehandlung aller Vereine wäre die Abweichung davon ein Präzedenzfall. Eine Jugendfeuerwehr etwa werde dafür ausgebildet, Menschenleben zu retten, auch sie könne sich dann auf eine solche Regelung berufen. In einem weiteren Beschluss wurde die Regelung aus den Jahren 1995 und 2008 bei einer Gegenstimme bestätigt.


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  1. Oliver Dorsch 14. Juli 2017 at 16:31 - Antworten

    Hallo Herr Michel,

    eine kleine, aber wichtige Korrektur muss ich anbringen:
    Am Ende der öffentlichen Sitzung wurde nicht darüber abgestimmt, ob die Regelung aus den Jahren 1995 und 2008 beibehalten werden soll, sondern es erfolgte lediglich eine Abstimmung, dass ZfK bei einem möglichen Inserat den gleichen Rabatt bekommt wie alle anderen Vereine auch. Warum man darüber überhaupt abstimmen musste, obwohl eine gültige Beschlusslage vorliegt, ist sachlich nicht nachvollziehbar (deshalb ganz offensichtlich auch das Missverständnis bei Ihnen), spricht aber Bände. Auf die nicht gegebene Notwendigkeit einer Beschlussfassung wurde vom GR-Mitglied Jochen Förtsch übrigens explizit hingewiesen.

    Eine grundsätzliche Abstimmung über die bisher geübte Praxis wäre Voraussetzung für eine zustimmende Haltung zum Antrag von Helmut Wild und Reinmund Dütsch von ZfK gewesen, aber dazu kam es eben gerade nicht. Natürlich hätte das nach sich gezogen, dass man auch anderen Vereinen etc. – beispielhaft wurde die Jugendfeuerwehr in der Sitzung genannt – im Einzelfall kostenfreie Inserate ermöglichen müsste.

    Oliver Dorsch

  2. Jochen Förtsch 19. Juli 2017 at 21:41 - Antworten

    Sehr geehrter Herr Michel,

    auch ich muss eine Korrektur an ihrem Bericht anbringen:

    Ich habe nicht darauf hingewiesen, dass der Veranstalter eine Voranfrage gestellt hat. Ich sagte, dass ein Kemmerner Bürger, der sich ebenfalls für die Ausrichtung der Radio Bamberg Dorftour in Kemmern beworben hat, beim Bürgermeister vorangefragt hat. Laut Aussagen des Bürgers ließ der Bürgermeister ihm sinngemäß ausrichten: Dieses Fest bekommen wir auch noch unter!
    Gerst erklärte aber in der Sitzung, er habe weder die Anfrage des Bürgers bekommen, noch irgendwelche Zusagen gemacht.

    Jochen Förtsch

  3. Martina Förner 21. Juli 2017 at 20:35 - Antworten

    Ich möchte hiermit eine kurze Information zu meiner Absage des Ferienorogramns geben die leider nicht vorgelesen wurde in der Sitzung.
    Ich habe mich viele Jahre am Ferienprogramm beteiligt und engagiere mich wöchentlich mehrere Stunden hauptsächlich im Basketballtraining mit den jüngsten Kindern. Auch Fahrten nach Wien , in den bayrischen Wald, ins Fichtelgebirge und am kommenden Sonntag nach Kronach ins Kindertheather sind Beispiele aus meinem ehrenamtlichen Programm.
    Ich habe nach einer längeren Bedenkzeit die Teilnahme an Ferienorogramm abgesagt da ich von Mitgliedern des Gemeinderats ignoriert werde in der Öffentlichkeit und mittlerweile auch von anderen Bürgern nicht gerade freundlich angesprochen werde aufgrund dieser Absage.
    Ich werde mich aber weiterhin ehrenamtlich für unsere Kemmerner Kinder außerhalb der Ferien gern weiterhin engagieren.

  4. Dütsch Reinmund 21. Juli 2017 at 20:50 - Antworten

    Und hier noch ein Termin :
    Am 3. August ist wieder Gemeinderatssitzung der öffentliche Teil beginnt um 18:30 Uhr
    Auch hier sind Zuhörer immer herzlich Willkommen.
    Bei Hitze wird empfohlen sich ein Getränk mitzubringen,denn im Sitzungssaal ist es relativ heiß.
    Die Sitzungspunkte kann man drei Tage vorher auf der Gemeinde Seite oder an der Gemeindetafel einsehen.

  5. Lisa Fuchs 21. Juli 2017 at 21:13 - Antworten

    Schön, dass sich die restlichen Gemeinderäte dann einmal alle einig waren und die Typisierungsaktion für positiv befinden. Sowas ist eine tolle Aktion! Schade ist allerdings die Regelung mit dem Mitteilungsblatt.

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