Sanierung der Grund- und Mittelschule: Lange Bauzeit – und richtig viel Geld

Veröffentlicht am 25. September 2019 von Johannes Michel

Es wird ein richtiges Megaprojekt. Vom heutigen Tag an gerechnet wird es Baunach und die weiteren Mitgliedsgemeinden der Verwaltungsgemeinschaft (VG), also Gerach, Lauter und Reckendorf, noch für zehn Jahre beschäftigen. Und es wird teuer. Die Rede ist von der Generalsanierung der Schule in Baunach. Bei einer Sitzung der VG wurden nun die aktuellen Planungen genauer vorgestellt.

Vor ziemlich genau vier Jahren waren bei einer VG-Versammlung erste Zahlen zu hören. Und die sorgten damals für absolute Stille im Sitzungssaal. Ein damals für eine Machbarkeitsstudie engagierter Architekt sprach von Gesamtkosten von elf Millionen Euro für die Generalsanierung der Grund- und Mittelschule Baunach. Und heute? Mittlerweile wurde der Auftrag an ein anderes Architekturbüro vergeben, das schon in der Bewerbungsphase dieser Zahl deutlich widersprochen hatte – der neue Architekt Peter Kuchenreuther geht von ganz anderen Zahlen aus. Genannt wurden bei der Sondersitzung der VG-Versammlung am 24. September 2019 im Bürgerhaus Lechner-Bräu in Baunach nun 22 Millionen Euro, hinzu kämen rund eine Million Euro für Ausweichräume in Containern sowie weitere notwendige Interimsmaßnahmen.

Kuchenreuther stellte die Generalsanierung in vier Bauabschnitten (BA) vor, die ab dem Jahr 2021 jeweils zwei Jahre dauern würde. Start wäre mit der Grundschule (BA 1), gefolgt von Verwaltungstrakt und dem ersten Teil der Mittelschule (BA 2). Dann kämen die große Schulaula sowie der restliche Teil der Mittelschule an die Reihe (linker Gebäudeteil, BA 3), zum Schluss die Turn- und Schwimmhalle (BA 4). Um die Schülerinnen und Schüler während der Bauphase unterbringen zu können, schlug Kuchenreuther zum einen das Aufstellen von Containern auf dem Hartplatz nördlich des Pausenhofes vor, aber auch die Quernutzung von Räumen sei notwendig – Mittelschüler müssten somit Räume in der Grundschule nutzen, und umgekehrt.


Diese Bauabschnitte sind für die Generalsanierung geplant. Rot markiert: neu zu bauende Elemente. Das linke rote Dreieck zeigt den Bereich für den barrierefreien Zugang mit neuem Treppenhaus und Aufzug.

Barrierefreiheit und Brandschutz spielen wichtige Rolle

An der Sitzung nahm auch Rektor Rudolf Hennemann teil. Er war in den vergangenen Monaten in die Vorplanung intensiv eingebunden. „Die Sanierung ist eine große Chance, da hier die Weichen für die nächsten Jahrzehnte gestellt werden. Somit sind auch räumliche Anpassungen an aktuelle pädagogische Konzepte möglich, die nicht mehr nur Frontalunterricht präferieren“, so Kuchenreuther.

Und so sehen die Vorentwürfe für die Generalsanierung unter anderem so genannte „Klassenzimmer Plus“ vor – jeweils zwei Klassenzimmer sind durch einen weiteren Raum verbunden, der dann beispielsweise für Projektarbeit oder auch gemeinsam von den Klassen genutzt werden kann. In der Mittelschule könnten „offene Lernlandschaften“ etabliert werden, im M-Zweig ein „Lernstudio“ – ein flexibel möblierter Klassenraum mit zusätzlichen Einzelarbeitsplätzen auf den Fluren und einem großen Raum für Seminarunterricht, Einzelarbeit und Rückzugsmöglichkeiten. „Unser Ziel sollte sein, die Schule nicht nur bei Dingen wie Brandschutz oder Barrierefreiheit auf den aktuellen Stand zu bringen, sondern auch in Fragen des Unterrichts“, erklärte Rektor Hennemann. „Es wäre ein Fehler, bei einer solchen Generalsanierung nicht auf Veränderungen zu reagieren.“


So könnte beispielsweise ein „Klassenzimmer Plus“ aussehen: Links und rechts die Klassenräume, in der Mitte ein flexibler Raum für Gemeinschaftsarbeit oder andere Einsatzzwecke.

Baulich wird sich am Schulhaus einiges ändern (müssen). Eine große Frage ist die Barrierefreiheit, sie soll mit einem zusätzlichen Treppenhaus inklusive Aufzug rechts vom Haupteingang gewährleistet werden. Auch Brandschutz sowie energetische Sanierung spielen bei der Generalsanierung entscheidend mit. Entfallen könnte der Lichthof in der Grundschule, er könnte verschlossen und zu einer Lernlandschaft umgebaut werden. Auch sollen Grund- und Mittelschule sowie Turn- und Schwimmhalle klar voneinander getrennt werden – die Schülerströme der Mittelschule würden dann nicht mehr durch die Aula der Grundschule geleitet, um die Turnhalle zu erreichen, sondern durch einen neuen Durchgang an der Nordseite der Grundschule. Nicht vorgesehen ist eine Mensa. „Wir haben vor zwei Jahren eine Umfrage durchgeführt, nur wenige Eltern wünschten sich da eine gebundene Ganztagsschule. Im benachbarten Breitengüßbach, wo die Schule ebenfalls zu unserem Mittelschulverbund gehört, scheiterte ein solches Projekt gerade. Wir setzen daher weiterhin auf die offene Form der Ganztagsschule“, erklärte Hennemann.


Der Vorentwurfsplan für das Erdgeschoss. Im Bereich rechts von der Mitte ist, mit einer roten Linie mit Punkten markiert, der neue Durchgang zwischen Mittelschule (links) und Turnhalle (rechts) zu erkennen (zum Vergrößern antippen oder anklicken).

Keine goldenen Wasserhähne …

Natürlich wurden die Kosten von den Mitgliedern der Gemeinschaftsversammlung heiß diskutiert. „Wir befinden uns momentan in der ungünstigsten Zeit, um zu bauen. Daher sollten die Kosten unbedingt gedeckelt werden“, meinte etwa Rudi Wacker. Einige Mitglieder gingen auch auf die alte Kostenschätzung von elf Millionen Euro ein. Baunachs Bürgermeister Ekkehard Hojer, auch Vorsitzender VG, verwies darauf, dass damals Turn- und Schwimmhalle nicht enthalten gewesen seien. „Niemand möchte hier goldene Wasserhähne einbauen“, meinte Rektor Hennemann, als die Frage aufkam, ob der Quadratmeterpreis der Baukosten nicht dem von Luxuswohnungen entspräche. Auch Johannes Morhard, der als Sachverständiger mit dem Architekturbüro zusammenarbeitet, widersprach: „Es geht hier um eine Schule, da sind allein schon die Verkehrsflächen und Raumaufteilungen ganz andere als bei einer Wohnung. Sie können sich sicher sein, dass wir mit den Geldern verantwortungsvoll umgehen.“

Und wie sähe es mit einem Neubau aus? „Die Regierung fördert die Sanierung nur, wenn die Kosten weniger als 80 Prozent der Kosten eines Neubaus betragen“, erklärte Kuchenreuther. „Bei einem Neubau hätten sie außerdem viel kleinere Flächenansätze – ein solches Bestandsgebäude ist ein großes Gut.“ Und Hojer wies darauf hin, dass Kosten für einen neuen Standort und auch ein Neubau bereits vor Jahren geprüft worden seien. Dennoch wird Kuchenreuther erneut eine solche Berechnungen durchführen – und demnächst der Gemeinschaftsversammlung vorstellen. Für die Sanierung des Gebäudes mit einer Bruttogeschossfläche von fast 9.500 Quadratmetern wird die Verwaltungsgemeinschaft eine Förderung von 50 Prozent erhalten, auch mehr sind möglich.

Entscheidungen fielen in der Sitzung noch keine, es handelte sich lediglich um eine Informationsveranstaltung. Somit wird sich die VG-Versammlung noch ausgiebig mit den ersten Plänen beschäftigen müssen. Als nächste Schritte kündigte Kuchenreuther ein Schadstoffgutachten, den Vergleich von Varianten für Dach und Fassade sowie eine detaillierte Kostenberechnung an. Auch ein Gestaltungskonzept muss ermittelt werden, das dann auch Materialien und Qualitäten festlegt.

Tipp zum Weiterlesen: Die bisherigen Schritte in Richtung Generalsanierung der Schule haben wir in den vergangenen Jahren mit mehreren Artikeln begleitet. Sie finden Sie in unserem Artikelarchiv zum Thema Schulhaussanierung Baunach.

Fotos und Grafiken: Kuchenreuther Architekten und Stadtplaner, Morhard Architektur- und Sachverständigenbüro 

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