Richtschnur für Projekte in den nächsten Jahrzehnten

Veröffentlicht am 10. Juli 2020 von Johannes Michel

An sich hätte der „alte Stadtrat“ noch beschließen sollen, dann kam die Coronakrise dazwischen. Und so fand sich der Entwurf des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) für die Stadt Baunach erst jetzt auf der Tagesordnung einer Stadtratssitzung wieder – im neuen Gremium. Die Planer erläuterten noch einmal, was sie in den vergangenen zwei Jahren herausfinden konnten, und wo in Baunach Handlungsschwerpunkte zu erkennen sind.

Bald zwei Jahre ist die Auftaktveranstaltung für die Erstellung des ISEK in Baunach nun her. 160 Seiten dick ist das in der Folge entstandene Werk, für das sich die Stadtplaner Leonhard Valier (Bamberg) und Gunter Schramm (Planwerk Nürnberg) verantwortlich zeigen. Damit eine öffentliche Auslegung erfolgen kann und auch die so genannten Träger öffentlicher Belange, also die Fachbehörden, einbezogen werden können, hatte der Baunacher Stadtrat in seiner Sitzung vom 7. Juli 2020 über den Entwurf abzustimmen. Valier erklärte, dass eigentlich das Ziel gewesen sei, schnellstmöglich in die Verwirklichungsphase einzutreten, aufgrund der Corona-Pandemie sei aber ein Beschluss des ISEK-Entwurfs nicht mehr durch den alten Stadtrat möglich gewesen.

Nachdem sich die Zusammensetzung des Stadtrats nach der Kommunalwahl geändert hat und viele neue Mitglieder dabei sind, stellten Valier und Schramm das ISEK etwas detaillierter vor. Valier verwies auf die verschiedenen Workshops, die sich durch gute Bürgerbeteiligung ausgezeichnet hätten – mit größtmöglicher Einbindung der Bürger, wie Bürgermeister Tobias Roppelt ergänzte. Grundlage für das ISEK sind zunächst einige Zahlen, etwa die leicht zunehmende Bevölkerungsentwicklung der Stadt in den vergangenen Jahren, aber auch ein prognostizierter Rückgang für die Zukunft und der demografische Wandel. Betrachtet wurde auch die Struktur von Gebäuden – 75 Prozent der über 350 Anwesen, die untersucht wurden, sind in gutem oder sehr gutem Zustand, über 40 bedürfen aber auch einer Komplettsanierung. Als größtes Thema habe sich in den Workshops die Verkehrs- und Parksituation gezeigt, eine Stärke der Stadt seien demgegenüber aber die vielfältigen Naherholungsmöglichkeiten, die soziale Infrastruktur und die noch ausreichende Nahversorgung, auch wenn die großen Geschäfte an den Rand der Stadt gewandert seien, so Schramm.

Beim ISEK-Auftakt in Baunach im Herbst 2018 sammelten die Bürger viele Ideen.

Grundvoraussetzung für Fördergelder

„Ortsbild / Innenentwicklung“, „Verkehr und Parken“, „Umwelt / Nachhaltigkeit / Tourismus / Naherholung“ sowie „Daseinsvorsorge / Soziales / Kultur“. So heißen die Handlungsschwerpunkte, die das ISEK für Baunach vorgeben wird. Für diese Handlungsfelder wurden Ziele entwickelt – Baunach soll als attraktiver Wohn-, Lebens- und Arbeitsort für alle Gesellschafts- und Altersgruppen erhalten werden. Leonhard Valier zeigte die wichtigsten Projekte auf – von der Umgestaltung des Marktplatzes mit einem parkplatzfreien Südbereich, der Sanierung des alten Rathauses, einem innerörtlichen Radverkehrskonzept mit einer Radwegeführung abseits der Bundesstraße bis zu einem Spielplatzkonzept. Auch sollen die Parkflächen innerorts effizienter genutzt werden, zur besseren Erreichbarkeit des Altstadtparkplatzes soll der Mühlsteg gesichert und beleuchtet werden.

Im ISEK festgelegt ist auch ein Sanierungsgebiet, das große Teile der Altstadt umfasst. „Wenn Sie den ISEK-Entwurf heute billigen, könnte nach der Beteiligung der Öffentlichkeit und der Behörden im Herbst der endgültige Beschluss gefasst werden – und Sie könnten mit ersten Maßnahmen starten“, meinte Valier. Er wies auch nochmals darauf hin, dass das ISEK Grundvoraussetzung sei, um Fördergelder aus der Städtebauförderung zu erhalten. Private Eigentümer, deren Grundstücke im Sanierungsgebiet liegen, erhalten zudem erhöhte steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten.

Stadträtin Manuela Fößel (SPD/FBB) regte in der Diskussion eine Vertagung an, damit sich die neuen Stadträte auch ausführlich in das 160-seitige Werk einlesen könnten. Außerdem fragte sie, warum die geplante Mehrzweckhalle nicht im ISEK enthalten sei. Bürgermeister Tobias Roppelt erinnerte an den Bebauungsplan, der für sie gelte, und Leonhard Valier an den Faktor Geld – die Halle könne nicht aus der Städtebauförderung bezuschusst werden. Sehr wohl sei es aber möglich, Außenanlagen einzubeziehen. Bei zwei Gegenstimmen wurde der ISEK-Entwurf dann verabschiedet.

Was ist eigentlich ein ISEK? Und was genau soll in Baunach in den kommenden Jahren passieren?

Mehr dazu finden Sie, mit einer genauen Auflistung der Maßnahmen, in unserem Artikel Rad- und Fußwege sowie der Marktplatz spielen die Hauptrolle.

Unsere Artikelsammlung zum Thema ISEK Baunach enthält zudem alle Artikel, die wir zum ISEK veröffentlicht haben.

Mobilstation am Bahnhof wird weiterverfolgt

Im Rahmen des intermodalen Verkehrskonzepts des Landkreises Bamberg ist Baunach Pilotkommune. Angedacht ist, auf dem Bahnhofsplatz eine Mobilstation zu errichten, um die verschiedenen Verkehrstypen wie Auto, Bahn, Bus und Radfahrer besser miteinander zu verknüpfen. Auch eine Ladesäule für Elektrofahrzeuge soll aufgestellt werden, genauso wie eine Fahrradgarage, in der hochwertige Räder angeschlossen werden können. Bisher war Baunach davon ausgegangen, maximal 20.000 Euro zuschießen zu müssen, der Rest der Kosten von knapp über 100.000 Euro sollte aus Fördergeldern und durch den Landkreis gedeckt werden. Nachdem der Landkreis aber geringere Förderzusagen erhalten hat, könnten sich die Kosten für Baunach auf fast 40.000 Euro verdoppeln. Daher fand sich das Thema, nach dem ersten Beschluss im Oktober 2019, erneut auf der Tagesordnung.

Bürgermeister Roppelt erklärte, dass das Konzept trotz der höheren Kosten weiterverfolgt werden sollte – Ziel des Landkreises sei, es nach den Pilotkommunen flächendeckend umzusetzen. 10.000 Euro könnten auch eingespart werden, wenn auf eine zweite Informationsstele verzichtet würde. Dem stimmten neun Stadträte zu, fünf nicht – somit wird das Konzept weiter mitgetragen. Besonders Stadtrat Markus Stöckl (CSU) hatte sich vehement dagegen ausgesprochen, es reiche nicht, nur Schilder aufzustellen. Zweiter Bürgermeister Peter Großkopf (CBB) war hingegen anderer Meinung – er wisse es in anderen Regionen zu schätzen, wenn eine einheitliche Beschilderung mit zusätzlichen Informationen verfügbar sei.

Einstimmig hingegen fiel die Entscheidung, das Konzept der Klärschlammverwertung des Landkreises Bamberg durch die Regionalwerke zu unterstützen. Beschlossen wurde auch, dass die Protokolle des öffentlichen Teils der Stadtratssitzungen künftig im Amtsblatt und auf der Internetseite der Stadt veröffentlicht werden sollen.

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