Wie entwickelt sich Breitengüßbach weiter? Welche Projekte laufen bereits, welche Ideen kommen neu hinzu? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der Gemeinderat in seiner Sitzung am 23. Juni ausführlich. Im Mittelpunkt standen dabei das kommunale Projektmanagement und der Gemeindeverein GÜßBACH BeREIT.
Seit mittlerweile neun Jahren begleitet die Architektin und Stadtplanerin Edith Obrusnik die Gemeinde im Rahmen des kommunalen Projektmanagements. Bürgermeisterin Sigrid Reinfelder erinnerte daran, dass die Zusammenarbeit inzwischen bis Ende 2028 verlängert wurde. Das Projektmanagement wird über die Städtebauförderung unterstützt und dient als Bindeglied zwischen Verwaltung, Politik, Förderstellen und Bürgerschaft.
In einem Tätigkeitsbericht blickte Obrusnik auf Projekte der vergangenen Monate zurück. Ein Schwerpunkt lag auf der Neugestaltung der Bahnunterführung, wo Umsetzung und Öffentlichkeitsarbeit begleitet wurden. Hinzu kamen verschiedene Informations- und Beschilderungsprojekte, darunter Tafeln zur neuen Ortsmitte, für Unteroberndorf sowie zur Geschichte des Bahnhofs. Auch die Machbarkeitsstudie für die Bereiche Zentrum I und II wurde fachlich begleitet. Darüber hinaus stand das Projektmanagement Bürgerinnen und Bürgern regelmäßig bei Fragen zur Innenentwicklung und bei Bauvorhaben beratend zur Seite.
Ein weiteres großes Thema bleibt die zukünftige Entwicklung der Ortsdurchfahrt. Hier hatte das Projektmanagement unter anderem einen Ortsspaziergang organisiert, um Anregungen aus der Bevölkerung aufzunehmen. Auch beim Tag der Städtebauförderung sowie bei verschiedenen Projekten des Gemeindevereins GÜßBACH BeREIT war Obrusnik eingebunden. Nach ihren Angaben umfasst die Tätigkeit derzeit durchschnittlich rund zehn Stunden pro Woche.
Der Ortsspaziergang im Herbst 2025 ermöglichte Einblicke in künftige Ideen und Planungen für den Bereich rund um die Hauptstraße.
Das hat GÜßBACH BeREIT weiterhin vor
Eng mit dem Projektmanagement verknüpft ist der Gemeindeverein GÜßBACH BeREIT. Dessen Vorsitzender Thomas Dippold stellte dem Gemeinderat die laufenden Aktivitäten und künftigen Ziele vor. Dabei machte er deutlich, dass sich der Verein nicht auf einzelne Verschönerungsmaßnahmen beschränke. Vielmehr gehe es darum, gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern Projekte anzustoßen, die das Zusammenleben stärken und die Entwicklung der Gemeinde fördern.
Als bislang sichtbarste Projekte nannte Dippold den Weidenplatz und die Calisthenics-Anlage am Sportplatz. Für das laufende Jahr setzt der Verein drei Schwerpunkte: Die Zahl der Unterstützer und Mitglieder soll wachsen, die Identifikation mit dem Ort weiter gestärkt werden und neue Ideen aus der Bevölkerung sollen ihren Weg in konkrete Projekte finden. Als Beispiel nannte Dippold das sogenannte Wappenmännla, das sich zu einem wiedererkennbaren Symbol für Breitengüßbach entwickeln könnte. Daneben laufen bereits zahlreiche weitere Vorhaben – etwa die Beleuchtung von Heiligenfiguren im Ortskern, Grünflächenpatenschaften, die Gestaltung von Kabelverteilschränken, Frühblüher-Projekte sowie die Idee eines Bouleplatzes in der Ortsmitte. Finanziert werden solche Maßnahmen über einen Projektfonds, bei dem private Spenden, Mitgliedsbeiträge und Veranstaltungserlöse durch Mittel der Städtebauförderung und der Gemeinde ergänzt werden. Dadurch kann jeder privat eingebrachte Euro verdoppelt werden.
Warum Jugendsozialarbeit an Schulen so wichtig ist
Ausführlich informierte sich der Gemeinderat außerdem über die Jugendsozialarbeit an der Grund- und Mittelschule. Seit 2022 besteht an der Grundschule eine entsprechende Stelle, seit dem vergangenen Jahr auch an der Mittelschule. Gemeinsam stellten Katharina Stognienko und Pascal Bega ihre Arbeit vor. Beide machten deutlich, dass viele Herausforderungen von Kindern und Jugendlichen nach außen oftmals nicht unmittelbar sichtbar seien. Gerade deshalb sei eine frühzeitige Unterstützung wichtig. Die Jugendsozialarbeit versteht sich dabei als intensive Form der Zusammenarbeit zwischen Schule und Jugendhilfe. Neben der direkten Unterstützung von Schülerinnen und Schülern gehören auch Beratungsgespräche mit Eltern zum Aufgabenfeld. Während an der Grundschule häufig Konflikte im Schulalltag, Trennungssituationen in Familien oder psychische Belastungen eine Rolle spielen, beschäftigen die Jugendsozialarbeit an der Mittelschule verstärkt Themen wie Drogenkonsum, Integration, Mediennutzung oder die Vorbereitung auf den Einstieg ins Berufsleben. Nach Angaben der Fachkräfte sind die verschiedenen Hilfsangebote in Breitengüßbach inzwischen gut miteinander vernetzt.
Einstimmig bestellte der Gemeinderat anschließend Christine Dratz erneut zur Seniorenbeauftragten der Gemeinde. Sie übt dieses Ehrenamt bereits seit dem Jahr 2014 aus und wird die Aufgabe auch in der neuen Wahlperiode weiterführen. Ebenfalls einstimmig wurden Udo Batz und Leonhard Wagner zu Jugendbeauftragten bestellt. Beide sollen künftig als Ansprechpartner für die Belange von Kindern und Jugendlichen fungieren und die Verbindung zwischen Gemeinderat, Vereinen und Jugendarbeit stärken.
Zuschuss und Verabschiedung
Einen einstimmigen Beschluss fasste das Gremium auch zugunsten des Hauses für Kinder St. Michael. Die Gesamtkirchengemeinde Main-Itz hatte aufgrund gestiegener Betriebskosten einen einmaligen Zuschuss beantragt. Der Gemeinderat bewilligte für das Kindergartenjahr 2026/2027 einen Zuschuss in Höhe von 15.000 Euro.
Zu Beginn der Sitzung hatte Bürgermeisterin Reinfelder zudem die bisherigen Bürgermeisterinnen-Stellvertreter Alexander Porst und Karin Schneiderbanger-Vogt verabschiedet. Porst habe sich in den vergangenen Jahren durch eine unkomplizierte Zusammenarbeit sowie pragmatische Entscheidungen mit Weitblick ausgezeichnet, sagte die Bürgermeisterin. Von 2014 an war er dritter, seit 2020 zweiter Bürgermeister. Schneiderbanger-Vogt würdigte sie als erste Frau im Amt der dritten Bürgermeisterin und als engagierte Repräsentantin der Gemeinde. Beide bleiben dem Gemeinderat auch in der neuen Wahlperiode als Mitglieder erhalten, wurden bei der konstituierenden Sitzung aber von den Gemeinderätinnen und Gemeinderäten nicht mehr zu Stellvertretern gewählt.



