Mehrgenerationen-Zentrum: Im Frühjahr könnte der Bau beginnen

Veröffentlicht am 24. Juli 2019 von Johannes Michel

Die Gemeinde Kemmern möchte gerne intensiver mit der Arbeiterwohlfahrt Bamberg (AWO) zusammenarbeiten. Neben der Schule und der bestehenden Kindertagesstätte, dem Haus für Kinder St. Maria, das die katholische Kirchenstiftung betreibt, sollen eine weitere Kita sowie ein Seniorenzentrum mit Pflegeappartements und betreutem Wohnen entstehen. Für die Zusammenarbeit und den Bebauungsplan gab der Gemeinderat nun grünes Licht.

Schon mehrfach war das Mehrgenerationenzentrum, das in Kemmern gleich mehrere Probleme lösen soll, Thema im Gemeinderat. Ende 2016 waren erstmals Ideen zu sehen, wie der Bereich gleich neben der Schule entwickelt werden könnte. Dann wurden die Pläne konkretisiert – und nun im Detail vorgestellt. Zum Zentrum gehört zunächst eine Kindertagesstätte mit zwei Kindergarten- und zwei Kinderkrippengruppen auf zwei Etagen inklusive Außenbereich. Auf der anderen Seite des Grundstücks soll ein Seniorenzentrum entstehen – mit bis zu 35 Wohneinheiten und einer Tagespflege, die maximal 30 Plätze bieten könnte. Sowohl dem steigenden Bedarf an Betreuungsplätzen für Kinder würde das Zentrum gerecht als auch der Frage, wie (und ob) es sich in Kemmern im Alter besser leben lässt.

Jörg Meier vom Ingenieurbüro Höhnen & Partner zeigte dazu den Bebauungsplan. Erschlossen werden soll das Gelände über eine neu zu bauende Straße, die dann an den Baunacher Weg angebunden wird. Fußläufig oder mit dem Fahrrad wird das Mehrgenerationenzentrum auch über einen Weg von der Breitengüßbacher Straße aus erreichbar sein. „Grundgedanke bei der Wahl des Grundstücks war auch die Nachverdichtung“, so Meier. „Die geschieht hier zum Nachteil von niemanden. Da es sich um Innenentwicklung handelt, sind zudem keine Ausgleichsflächen nötig.“ Der Bebauungsplan wurde einstimmig vom Gemeinderat bestätigt.


Das gesamte Areal: Links die neu zu bauende Straße mit anschließendem Seniorenzentrum (grau), in der Mitte oben die neue Kita, rechts oben die bestehende Kita St. Maria. Unten das Schulgelände (zum Vergrößern antippen oder anklicken).


So könnte die Fassade der neuen Kita aussehen. Architekt Rösch brachte noch eine auffälligere farbliche Gestaltung ins Spiel (zum Vergrößern antippen oder anklicken).

Raum der Begegnung soll beide Einrichtungen verbinden

Länger beschäftigten sich die Rätinnen und Räte mit den Gebäuden selbst. Architekt Karl-Heinz Rösch präsentierte die Kindertagesstätte. Im Erdgeschoss werden zwei Krippengruppen, im Obergeschoss zwei Kindergartengruppen untergebracht sein. Dazu kommen notwendige Sozial- und Besprechungsräume, Büro und pro Etage ein Kinderrestaurant, wo die Mahlzeiten eingenommen werden sollen. Für die Barrierefreiheit wird ein Aufzug eingebaut. Bei der Fassadengestaltung schlug Rösch eine Holzfassade vor, die sich farblich gestalten ließe.

Von Architekt Joachim Schlund wurde anschließend das Seniorenzentrum erläutert. Auf drei Etagen sollen hier Pflegeappartements und Wohnungen für betreutes Wohnen errichtet werden. Bewohner bis zu den Pflegegraden 3 oder 4 sollen hier versorgt werden können, Mahlzeiten können ebenfalls zur Verfügung gestellt werden. Im Erdgeschoss ist auf rund 330 Quadratmeter eine Tagespflege vorgesehen. Der Außenbereich und auch ein Gebäude mit Veranstaltungsraum, das Seniorenzentrum und Kindertagesstätte verbindet, sollen zum Raum der Begegnung für die Generationen werden.


Das Erdgeschoss der neuen Kita zeigt die verschiedenen Räume, unten das Verbindungsgebäude zum Seniorenbereich (zum Vergrößern antippen oder anklicken).

Über einige Gestaltungsdetails gab es im Gemeinderat Diskussionen. Insbesondere beschäftigte einige Räte aber, inwieweit nicht doch eine Konkurrenzsituation mit der benachbarten Kindertagesstätte entstehe. Bürgermeister Rüdiger Gerst erklärte dazu, dass alle Kinder in Kemmern den bestmöglichsten Standard bekommen sollen. Aus diesem Grund stehe auch eine Generalsanierung der Kita St. Maria bevor. Auch wenn ein Zaun, möglicherweise unterbrochen durch ein Tor, die beiden Kitas trenne, solle das Miteinander im Mittelpunkt stehen, etwa bei gemeinsamen Aktionen. Es könne nicht sein, dass beispielsweise Geschwisterkinder, die jeweils den anderen Kindergarten besuchen, keinen Kontakt haben könnten. Wie die Ausgestaltung dieser Zusammenarbeit aussehe, liege aber in den Händen der jeweiligen Einrichtungsleitungen.

Gefragt wurde auch nach dem Baubeginn. Der könnte schon im Frühjahr 2020 erfolgen, zunächst allerdings nur für die Kita. „Sie wird etwa ein halbes Jahr Vorsprung vor dem Seniorenzentrum haben, da wir für den Bau dort auf die Erschließungsstraße angewiesen sind“, so Architekt Rösch. Für die neue Kindertagesstätte investiert die Gemeinde Kemmern rund drei Millionen Euro. Nach Abzug von Fördergeldern verbleiben aktuell 1,9 Millionen Euro an Kosten für die Gemeinde, wobei eine Sonderförderung denkbar sei, wie Geschäftsleiter Markus Diller erläuterte. Diese müsse bis Ende August beantragt werden. Das Seniorenzentrum hingegen wäre für die Gemeinde kostenneutral.


Wird so das Gebäude für die Senioren aussehen? Vorne die neue Straße (zum Vergrößern antippen oder anklicken).

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Nicht ganz überzeugt vom Konzept in Sachen Senioren war Dr. Oliver Dorsch (ZfK). „Das Projekt liegt mir am Herzen, aber die Frage ist doch: Profitiert Kemmern wirklich davon?“ Das Verhältnis von Plätzen in der Tagespflege und den Appartements erschien Dorsch nicht ausgewogen. „Bedarf für solche Wohnungen gibt es in Kemmern“, entgegnete Gerst. „Jeder kann beispielsweise ein eigenes Objekt in Kemmern verkaufen und sich hier einkaufen – und damit seinen Lebensabend in Kemmern verbringen, auch wenn er auf Unterstützung angewiesen ist. Ein klassisches Altenheim werden wir aufgrund der größeren Gemeinden im Umkreis, wo es solche Einrichtungen schon gibt, nie in Kemmern haben.“

Bei einer Gegenstimme verabschiedete der Gemeinderat abschließend die Planungen und das Gesamtkonzept.

Archivpflegeverein startet bald

Nachdem schon zweimal im Gemeinderat der neu zu gründende Archivpflegeverein des Landkreises Thema war, lag nun die entsprechende Vereinssatzung vor. Einstimmig wurde der Beitritt beschlossen. Die Gemeinde kann damit, je nach Bedarf, ab dem kommendem Jahr Stunden bei einem Archivpfleger buchen, der dann bei den notwendigen Arbeiten unterstützt.

Geschäftsleiter Diller gab außerdem das Ergebnis der Jahresrechnung 2018 bekannt. Erfreulicherweise konnten statt 560.000 Euro nun 900.000 Euro dem Vermögenshaushalt zugeführt werden. Eine Kreditaufnahme in Höhe von 750.000 Euro wurde außerdem nötig. Insgesamt schloss das Jahr 2018 mit 4,2 Millionen Euro im Verwaltungshaushalt (Ansatz: rund vier Millionen Euro) und 3,4 Millionen Euro im Vermögenshaushalt (Ansatz: rund fünf Millionen Euro) ab.

Pläne und Grafiken: Architekten Rösch und Schlund

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