Alternativlos: Erweiterungsbau für Kita auf den Weg gebracht

Veröffentlicht am 5. Februar 2019 von Johannes Michel

Dass mehr Krippenplätze nötig sind, ist unstrittig. Über die Kosten und die Ausführung eines Erweiterungsbaus und selbst das Grundstück gab es aber doch Diskussionen im Zapfendorfer Gemeinderat. Und dann kommt noch hinzu, dass der Bau nicht rechtzeitig fertig wird, wenn die Krippenkinder die Plätze benötigen. Beraten wurde außerdem über die Fortführung des Projekts „Freizeit-, Sport- und Sozialpark“ mit Kunstrasenspielfeld.

Im November 2017 und im Juli 2018 war Architekt Arne Vogels bereits im Zapfendorfer Gemeinderat zu Gast und stellte Planungen für den Neubau eines weiteren Gebäudes auf dem Grundstück der Kindertagesstätte St. Christophorus vor. Dort sollen zwei neue Krippengruppen entstehen, um die Versorgungslücke zu schließen, die sich nach bisherigen Statistiken ab Ende 2020 auftun wird. Mittlerweile ist die Entwurfsplanung abgeschlossen, bald kann die Ausschreibung der Handwerkerleistungen erfolgen. Am 31. Januar 2019 war Vogels nun wieder zu Gast und präsentierte den aktuellen Stand.

Und der hatte es aus Sicht einiger Gemeinderäte in sich. Standen bislang Kosten von rund 1,2 Millionen Euro plus Außenanlagen im Rahmen einer Kostenschätzung im Raum, ergaben die genauen Berechnungen nun Kosten von 1,7 Millionen Euro – die sich bei einem Baubeginn im dritten Quartal 2019 noch erhöhen könnten. „Früher haben wir immer mit einer Kostensteigerung von zwei Prozent pro Jahr kalkuliert, mittlerweile sind wir bei zwei Prozent pro Quartal“, so Vogels. Das wären dann nochmal über 100.000 Euro mehr. Die Außenlagen haben mit rund 180.000 Euro ebenfalls ihren Preis, da auch der bisherige Gartenbereich des Kindergartens angegriffen wird. Der Eigenanteil des Marktes Zapfendorf dürfte insgesamt bei etwa 900.000 Euro liegen.


Das neue Gebäude liegt im unteren Teil des Grundstücks. Durch den Bau muss einiges am bisherigen Garten geändert werden (zum Vergrößern anklicken oder antippen).

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Ries: Gemeinderat widersetzt sich ihrem eigenen Bebauungsplan

Vogels ging auch auf die Gestaltung ein. Im Vergleich zur Präsentation im Juli vergangenen Jahres haben sich nur kleinere Änderungen ergeben – es bleibt bei einem zweistöckigen Gebäude mit je einer Krippengruppe pro Etage. Zur barrierefreien Erschließung muss zwingend ein Aufzug eingebaut werden. Die obere Krippengruppe kann allerdings über eine Rampe (Neigung ca. zehn Prozent), auch ohne die Treppe oder den Aufzug zu benutzen, den Garten erreichen. Für die Fassade plant Vogels mit vorbehandeltem Holz, da hier eine gleichmäßige Verwitterung stattfinde. Eine verputzte Fassade mit Anstrich hätte aufgrund der vielen Bäume in der Umgebung einen hohen Wartungsaufwand aufgrund von Veralgung. „Die Mehrkosten für eine Holzfassade liegen bei etwa 10.000 Euro, das entspricht in etwa einmal Streichen inklusive Gerüst“, erklärte Vogels. Bei einem Baubeginn im dritten Quartal 2019 könnte die Inbetriebnahme im Frühjahr 2021 erfolgen. Die aktuell in Zapfendorf verfügbaren Krippenplätze sind allerdings nach aktuellem Stand ab Herbst 2020 voll, so dass sich eine Übergangsphase ergeben wird.

Einige Gemeinderäte zeigten sich verwundert über die im Vergleich zu Juli 2018 deutlich gestiegenen Kosten. „Die Frage ist doch: Was war die Aufgabenstellung des Gemeinderats und was haben Sie uns heute präsentiert“, meinte etwa Harald Hümmer (WOB). Er spielte damit auf das Budget an, bei dem sich der Gemeinderat die Zahlen aus der Kostenschätzung als Limit gesetzt hatte. Und Andreas Schonath (WOB) meinte: „Das Gebäude ist von der Größe her vergleichbar mit einem Zweifamilienhaus. Und einem Bauherrn könnten Sie nicht erklären, dass er dafür fast zwei Millionen Euro ausgeben soll.“ Vogels widersprach dieser Darstellung, vielmehr habe das Gebäude mit Außenmaßen von 14 auf 13 Meter eher das Format dreier Einfamilienhäuser. Hinzu komme, dass etwa der Außenbereich nicht mit einem normalen Hausgarten zu vergleichen sei. Außerdem würden Aufzug und Situation auf dem Grundstück ebenfalls für Mehrkosten sorgen.

Gemeinderat Dr. Christopher Rosenbusch (CSU) verwies auf die zahlreichen anderen Projekte in der Gemeinde: „Irgendwo muss das Geld ja herkommen, und irgendwo müssen wir die Mehrkosten, die hier entstehen, dann einsparen. Was stellt sich die Gemeindeverwaltung da vor? Sparen wir beim Medizinischen Versorgungszentrum? Beim Sportplatz? Bei der Schule? Oder beim Schwimmbad? An irgendeinem Punkt müssen wir auch mal sagen: Wir können nicht mehr!“ Georg Ries (CSU) gefiel die Gestaltung nicht: „Das Gebäude entspricht in keiner Weise dem Bebauungsplan, den wir anderen Bauherren hier zugrunde gelegt haben.“ Der Neubau wird über ein recht flaches Dach verfügen, Ziegeln werden nicht verwendet. Klara Ott (CSU) stellte gar das Grundstück in Frage – denn nach dem Erweiterungsbau sei das stark zugebaut, weitere Möglichkeiten gebe es hier nicht mehr. Dennoch wurde die Planung mit 16 zu fünf Stimmen verabschiedet. Gleichzeitig soll geprüft werden, ob es noch Einsparmöglichkeiten gibt, genannt wurden etwa die Fenster.


So sieht das geplante Gebäude von außen aus (zum Vergrößern anklicken oder antippen).

Sportplatz: Kunstrasen ist erste Wahl

Zwei Stunden hatte sich der Marktgemeinderat schon mit dem Neubau der Kinderkrippe beschäftigt, bevor das zweite große Thema des Abends an die Reihe kam: der geplante Freizeit-, Sport- und Sozialpark auf dem Gelände der Sportanlagen und des Festplatzes im Norden von Zapfendorf. Als erster Schritt soll die so genannte „Ankermaßnahme A“, aufteilt in zwei Bauabschnitte, errichtet werden. Zu ihr gehören ein Kunstrasenspielfeld (Bauabschnitt 1) mit Umfeld inklusive Parkplätzen (Bauabschnitt 2). Landschaftsarchitekt Marin Ammermann hatte dazu die Pläne mitgebracht.

Um Kosten einzusparen, hatte er verschiedene Varianten kalkuliert. Aufgrund der Lage im Hochwassergebiet kam für den Gemeinderat der Verzicht auf eine Asphalttragschicht unter dem Kunstrasen nicht in Frage – zu groß wäre das Risiko einer Aufschwemmung des Platzes im Hochwasserfall. Auch eine Reduzierung der Spielfeldgröße war keine Option. Dafür diskutierten die Gemeinderäte über das Füllmaterial – Gemeinderat Dieter Rattelsdorfer (Vereintes Umland) war etwa der Meinung, es wäre besser, hochwertigeres Material zu verwenden. Meist kommt zur Füllung Recyclingmaterial aus der Autoreifenindustrie zum Einsatz, das zu Beginn aber eine Geruchsbelästigung mit sich bringt. Das hochwertigere Material soll daher in der Ausschreibung mit angefordert werden.


Bauabschnitt 1 umfasst lediglich den Kunstrasenplatz mit den wichtigsten Anlagen (zum Vergrößern anklicken oder antippen).


In Bauabschnitt 2 sind dann auch Umfeld und Parkplätze (in der Grafik unten) enthalten (zum Vergrößern anklicken oder antippen).

Und die Gesamtkosten? Mit Standard-Füllmaterial ging Ammermann von 1,16 Millionen Euro für Bauabschnitt 1 und 433.000 Euro für Bauabschnitt 2 aus. Beide Maßnahmen sind förderfähig, teilweise aus FAG-Mitteln (da es sich um eine Schulsportanlage handelt) und aus Mitteln des Städtebaus (Bauabschnitt 2). Ein Naturrasenplatz würde bei Bauabschnitt 1 rund 280.000 Euro einsparen, zöge aber höhere Instandhaltungskosten nach sich. Einstimmig beschloss der Gemeinderat, die Entwurfsplanung an die Regierung und das Landratsamt für die Bereitstellung von Fördermitteln und die Baugenehmigung weiterzureichen.

Nichts Neues in Sachen Schule

Zum Schluss der Sitzung informierte Bürgermeister Volker Dittrich über den aktuellen Stand in Sachen Mittelschule. Die jüngste Verbundversammlung habe keine Veränderung gebracht. Nun soll am 21. Mai 2019 erneut getagt werden, wenn die verbindlichen Schülerzahlen fürs kommende Schuljahr vorliegen. Dittrich erklärte erneut, bei einer möglichen Auflösung der Mittelschule in Zapfendorf ein Veto einzulegen. Angedacht ist, sich mit dem Verbundkoordinator, der Schulleitung und auch Altbürgermeister Josef Martin nichtöffentlich zusammenzusetzen, um offen über das Thema sprechen zu können.

Pläne: Kita: Schmitt-Vogels-Architekten; Sportplatz: Ammermann-Döhler-Landschaftsarchitekten

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