Projekte der Baunach-Allianz – und keine Anzeige mehr

Wie steht es um die Baunach-Allianz? Bürgermeister Manfred Deinlein gab dazu in der Gemeinderatssitzung vom 13. Januar 2021 einen Sachstandsbericht ab. Auch der mögliche Beitritt der Gemeinde zu einem Verein, der eine lokale App für Senioren entwickeln möchte, war Thema. Und Deinlein informierte auch über das Hausverbot und seine Anzeige gegen die bisherige Presseberichterstatterin.

„In der Sache Hausfriedensbruch: Das Hausverbot wurde aufgehoben, den Strafantrag habe ich zurückgenommen.“ Manfred Deinlein eröffnete die Sitzung mit seinem Kurzbericht und ging mit diesem einen Satz auf die aktuelle Entwicklung zum Thema ein. Hintergrund: Deinlein hatte für die bisherige Presseberichterstatterin Adelheid Waschka, nachdem diese eine Bürgerversammlung besucht hatte und den Saalverweis nicht akzeptiert hatte, ein Hausverbot verhängt und eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch angestrengt. Deinleins Vorgehen war in der Dezembersitzung des Gremiums von mehreren Seiten deutlich kritisiert worden, ein Antrag mit der Bitte um Zurücknahme von Strafanzeige und Hauserbot wurde damals bei zwei Gegenstimmen angenommen. Auch der Bayerische Journalisten-Verband hatte sich in die Diskussion eingeschaltet. Nachfragen von Seiten der Gemeinderäte gab es nun keine. Waschka selbst saß als Zuhörerin im Besucherbereich.

Die damals nicht vollständig durchgeführte Bürgerversammlung soll schnellstmöglich nachgeholt werden, angesichts der Pandemielage sei der für Anfang Februar anvisierte Termin aber nicht zu halten, so Deinlein.

Baunach-Allianz: Innen statt außen!

Einen langen Bericht trug Deinlein zur Baunach-Allianz vor. Insbesondere die neu gewählten Gemeinderäte wolle er über den aktuellen Stand informieren, so seine Einführung. Seit 2019 sei mit Felix Henneberger ein eigener Allianz-Manager beschäftigt, der sich um die Belange der Allianz kümmere – wenn auch zurzeit stark eingeschränkt durch die Corona-Situation. Es gebe regelmäßige Vorstands- und Lenkungsgruppen-Sitzungen, Öffentlichkeitsarbeit (unter anderem seien die Fairtrade-Stofftaschen zu erwähnen, die auch Neubürgern überreicht würden) und die eigene Webseite. Aktuell sei man dran, die Allianz zur ersten Fairtrade-Allianz zu machen. „Die wichtigste Aufgabe ist es aber, dem Donut-Effekt entgegenzuarbeiten. Das meint: Unsere Orte dürfen nicht außen schön und innen leer und verlassen sein“, so Deinlein.

Die Baunach-Allianz verbindet Unter- und Oberfranken.

Der Bürgermeister ging auch auf die sieben Handlungsfelder ein und erwähnte einzelne Projekte.

  • Siedlungsentwicklung: Hier habe man eine Eigentümerbefragung durchgeführt, eine Flächenmanagement-Datenbank sei entstanden. Eine Immobilienbörse, die für Reckendorf aber aufgrund der geringen Verfügbarkeit von Bauflächen etc. weniger wichtig sei, laufe ebenfalls. Aufgelegt wurde ein Förderprogramm in Sachen Leerstand mit Bauberatung durch einen Architekten, es gebe zudem Zuschüsse für Bauherren.
  • Wirtschaft und Verkehr: Das regionale Kernwegenetzkonzept sei zwar durch Corona stark ausgebremst worden, dennoch werde nun weitergearbeitet. Mit landwirtschaftlichen Betrieben sei erörtert worden, wo die Kernwegenetzbeziehungen gestaltet werden sollen. Ein eher langfristig gedachtes Projekt sei die Wiederbelebung der Bahnstrecke über Ebern hinaus nach Maroldsweisach, zudem solle eine regionale Direktvermarktung aufgebaut werden.
  • Natur und Umwelt: Biotope, Selbsterntefelder, Blühflächen und die Regionalvermarktung bestimmten dieses Handlungsfeld. Wobei Selbsterntefelder in Reckendorf nicht angedacht seien, dafür habe man gemeindeeigenen Bäume bei der Plattform „Mundraub“ eingetragen. Die Blühwiesen erreichten bisher einen guten Zuspruch, Gerach habe sich mit der Ausweisung eines Natur- und Erlebnispfades hervorgetan.
  • Daseinsfürsorge: Eine Kooperation der regionalen Bauhöfe laufe gut – es gebe gemeinsame Ausschreibungen, Schulungen und regelmäßigen Austausch der Bauhofleiter. Umgesetzt wurden die Mitfahrerbänke, die aber reger genutzt werden könnten. Die Beschaffung eines Bürgerbusses habe Reckendorf überlegt, sich von der Idee aber verabschiedet.
  • Tourismus und Freizeit: Entstehen solle ein Freizeitführer für die Allianz. Der Ausbau von Radwegen, auch themenbezogen, spiele ebenfalls eine wichtige Rolle. Angedacht sei auch eine Boulderanlage (Klettern) in der Natur.
  • Bürgerschaftliches Engagement: Bezüglich der kulturellen Zusammenarbeit gebe es Überlegungen bezüglich der Musikschulen. Ein großer Bereich sei der Fördertopf für Kleinstprojekte, aus dem Projekte bis maximal 20.000 Euro gefördert werden könnten. In Reckendorf seien so beispielsweise eine Fallschutzanlage bei der Nachmittagsbetreuung und eine Akustikdecke im Restaurantbereich entstanden. Für 2021 müssten bis Mitte Februar Projekte gemeldet werden.
  • Eigenwerbung: Auf der Homepage der Allianz, www.baunach-allianz.de, gebe es alle wichtigen Infos. Auch ein Newsletter könne hier abonniert werden.

Weiteres aus der Sitzung vom 13. Januar 2021

Beraten wurde über das Projekt „Autonoma“ des Vereins „Senioreninfo Mainfranken“. Die Idee ist die Schaffung eines interaktiven Auskunftssystems, auch per Smartphone-App, für Unterfranken. Ziel: gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land. Im Endeffekt handelt es sich dabei um ein Gewerbe- und Dienstleistungsverzeichnis, das auch Öffnungszeiten von Notfall-Apotheken, eine Mitfahrerbörse und Veranstaltungen zusammenfassen soll. Der Mitgliedsbeitrag für Reckendorf liege bei jährlich 70 Euro, so Deinlein – man müsse dem Verein beitreten. Einige Gemeinderäte äußerten Bedenken aufgrund der regionalen Struktur des auf Unterfranken begrenzten Angebots – Reckendorf sei hier nicht richtig aufgehoben. Gemeinderat Hartwig Pieler (CSU) meinte, man sollte erst einmal abwarten, ob auch andere Kommunen aus der Baunach-Allianz dabei seien und parallel Ausschau nach vergleichbaren oberfränkischen Angeboten halten. Später beitreten könne man immer noch. So stellte der bei einer Gegenstimme gefasste Beschluss den Beitrag der Gemeinde Reckendorf zum Verein in Aussicht – allerdings erst nach erneuter Beratung zu einem späteren Zeitpunkt.

Die Einführung des Digitalfunks für die Feuerwehren schreitet weiter voran. Nun sollen analoge Pager durch digitale abgelöst werden. Reckendorf wird, so der einstimmige Beschluss des Gremiums, drei beschaffen. Zwei gehen an die Kommandanten der Wehren aus Reckendorf und Laimbach, einer dient als Schaltung für die Sirenenanlage.

Dem Förderverein „Die Landpiraten“ gewährte der Rat einen Zuschuss von 400 Euro. Im vergangenen Jahr sind im Rahmen der Mittagsbetreuung 1.333 Euro für Bastelbedarf, Spiele, Büromaterial, Flyer, Arbeitskleidung und Küchenbedarf angefallen – ohne Personalkosten.

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