Ärztehaus: Rattelsdorf schlägt Pflöcke ein

Veröffentlicht am 10. Oktober 2016 von Johannes Michel

Die medizinische Versorgung auf dem Land ist aktuell schon ein großes Thema – in den kommenden Jahren wird sie die politische Diskussion aber noch deutlich mehr bestimmen. Um die ländlichen Regionen auch für junge Ärzte attraktiver zu machen, streben viele Gemeinden danach, Ärztehäuser oder Medizinische Versorgungszentren (MVZ) aufzubauen, und Rattelsdorf macht nun Ernst: Bereits im April 2018 soll ein Zentrum mit fünf Ärzten eröffnen.

Der Standort ist klug gewählt: Zwischen Rattelsdorf und Ebing, direkt an der Ebinger Straße, links und rechts die beiden Supermarkt-Gebäude. Schnell zu erreichen, zu Fuß, per Rad und Auto aus den beiden größten Ortsteilen von Rattelsdorf, und auch aus dem benachbarten Zapfendorf. Schon im April 2018 soll an dieser Stelle ein Ärztehaus mit fünf Ärzten eröffnen. Der genaue Bauplan wird zwar Gegenstand einer weiteren Sitzung sein, am 6. Oktober 2016 verabschiedete der Marktgemeinderat aber bereits das Bauleitplanverfahren, dem Ärztehaus steht damit an sich nichts mehr im Wege. Baubeginn könnte im Frühsommer kommenden Jahres sein.

Bürgermeister Bruno Kellner freute sich sichtlich über das Erreichte. Er berichtete von den Verhandlungen der vergangenen Wochen, die er bewusst vielem anderen vorangestellt habe: „Rattelsdorf muss hier Pflöcke einschlagen“, sagte Kellner, auch mit Blick auf die Nachbargemeinden. Denn ein solches Ärztehaus habe einen hohen Einzugsbereich und eine Wirkung auf den gesamten nördlichen Landkreis Bamberg. Das Bauleitplanverfahren wurde dann auch einstimmig vom Gremium gebilligt. Investor ist die Claudia Stadter-Zauritz und Arndt Zauritz GbR, dem Markt Rattelsdorf entstehen für Verfahren und Bau keine Kosten.

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Bekommt Medlitz ein „Bürgerhaus“?

Historische Gebäude in der Gemeinde gelte es zu erhalten, betonte Architekt Stefan Moncken, der zusammen mit seinem Kollegen Günter Pechmann zum Tagesordnungspunkt „Vorstellung eins Konzeptes zur Sanierung der Schule Medlitz zum Bürgerhaus“ geladen war. Ausgangspunkt, so Bürgermeister Kellner, sei ein neues Förderprogramm der Europäischen Union, das für Bürgerhäuser 60 Prozent der förderfähigen Kosten übernehme. „Rattelsdorf hat hier die Chance, sich zu bewerben, das geht allerdings nur mit einer vorliegenden Baugenehmigung, auch durch das Landratsamt.“

Im Auftrag der Gemeinde hatten die beiden Architekten das alte Schulhaus in den vergangenen Wochen untersucht und verschiedene Varianten erarbeitet, wie sich das Gebäude einer neuen Nutzung zuführen ließe. Ziel: „Unter Einbindung der Bürger wollen wir ein Konzept entwickeln, wie das Haus und damit das Ortszentrum mit Leben erfüllt und das historische Gebäude erhalten werden kann“, so Moncken. Anschließend stellten die Architekten verschiedene Nutzungsmöglichkeiten vor, mit einem größeren Veranstaltungsraum, einer Sozialwohnung, Durchgängen zum benachbarten Feuerwehrhaus für eine gemeinsame Küchen- und Toilettennutzung sowie einem Jugendraum.

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Das alte Schulhaus in Medlitz. Foto: Stefan Moncken.

Bei den Gemeinderäten herrschte einhellig die Meinung, dass die Chancen des Förderprogramms genutzt werden müssten. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, da sich das Schulhaus aktuell noch in einem einigermaßen guten Zustand befindet und eine Sanierung daher recht kostengünstig möglich ist“, meinte etwa Michael Hümmer (Vereinigtes Umland). Gemeinderat Andreas Schmittwolf (CWU) empfahl aber, sich über die möglichen Nutzungen des Hauses Gedanken zu machen – etwa, welche Vereine oder Gruppen hier in Frage kämen. Dementsprechend müssten die Innenräume dimensioniert sein. Zudem äußerten mehrere Räte den Wunsch, optisch an der Fassade nichts zu verändern. Der Beschluss, sich um die Fördergelder zu bewerben und dafür eine Planung zu erarbeiten, wurde ebenfalls einstimmig getroffen. In die Planung sollen die Medlitzer einbezogen werden, dafür wird in Kürze etwa eine Bürgerversammlung stattfinden.

Aktuelles: Schule, Torhaus, Badesee Ebing – und Mehrgenerationenplatz

In seinem Bericht informierte Bürgermeister Bruno Kellner außerdem über einige aktuelle Entwicklungen. In Sachen Sanierung und Teilneubau des Rattelsdorfer Schulhauses sei das Brandschutzkonzept nun erstellt worden, die Baugenehmigung liege vor. Nun warte man noch auf den Förderbescheid der Regierung von Oberfranken. Eine weitere Baustelle in Rattelsdorf ist das Torhaus: Hier fanden im Sommer statische und archäologische Untersuchungen statt, aus Traglastgründen musste das Dach abgedeckt werden. Zimmerer- und Rohbauarbeiten wolle die Gemeinde im nichtöffentlichen Teil der Sitzung vergeben, erklärte Kellner, Auftragswert: 400.000 Euro.

Auch der Ebinger Badesee war ein Thema. Nachdem es hier immer wieder zu Problemen mit der Wasserqualität kommt, wurde in Zusammenarbeit mit dem Wasserwirtschaftsamt eine neue Idee entwickelt. Sollten Ausgleichsmaßnahmen im Rahmen von Bahn- und Autobahnbau notwendig werden, könnte der Badesee entschlammt werden, was die Wassertiefe um etwa einen auf drei Meter erhöhen würde. Allein diese Maßnahme würde ansonsten etwa 750.000 Euro kosten. Möglich sei außerdem, den See abzulassen und insgesamt tiefer auszubaggern – belastbare Zahlen abseits der Entschlammung lägen aber noch nicht vor.

Nicht unerwähnt bleiben soll ein Beschluss des Marktgemeinderats zum Mehrgenerationenplatz: Nachdem die ortsansässige Firma Massivholz GmbH im Sommer eine alternative Planung für den Platz vorgestellt hatte, erhält sie den Auftrag zu Planung. Nicht mehr mit an Bord ist daher die Firma Spielträume, deren Geschäftsführerin Tanja Potrykus die Planungen, damals noch an der Ebinger Straße geplant, rund drei Jahre lang begleitet hatte. Bei einer Gegenstimme wurde dies beschlossen. Kritik äußerte Sabina Sitzmann-Simon (CSU), die mit der Vorgehensweise nicht einverstanden war. Tanja Potrykus sei „ausgebootet“ worden. Zwar sei sie generell für die Vergabe von Aufträgen an Firmen aus dem Ort, in diesem Fall aber könne sie die Vorgehensweise von Verwaltung und Bürgermeister nicht gutheißen.

Titelbild: © Dieter Schütz  / PIXELIO

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