Wenn die eigentlich wichtigen Themen in den Hintergrund rücken …

Veröffentlicht am 9. November 2018 von Annika Göttmann

Was ist derzeitig eigentlich in Zapfendorf los? Immer wieder sind negative Schlagzeilen aus der Ortschaft zu lesen, die Vorfälle häufen sich. Wir von Nachrichten am Ort haben zusammengefasst, was in der letzten Zeit alles passiert ist und in die Zapfendorfer Facebook-Gruppe geschaut, um zu sehen, was dort zum Thema geäußert wird …

Erst am vergangenen Mittwoch gab es wieder negative Schlagzeilen aus Zapfendorf – ein Sachschaden am Zapfendorfer Bahnhof in Höhe von mehreren hundert Euro. Hier wurde der Aufzug von dem Täter/den Tätern mit Hundekot beschmiert. Ebenfalls wurde das Display des Fahrkartenautomats mit einem schwarzen Filzstift verunstaltet. Aber auch an einer Hinweistafel des Waldkindergartens wurden mit Filzstift Drohungen und Schriftzeichen angebracht.

Schon Ende Oktober war einiges los in Zapfendorf. So wurde durch den Fund eines herrenlosen Gegenstandes in der Nähe des Bahnhofs ein Polizeieinsatz ausgelöst – zwei Mehrfamilienhäuser wurden evakuiert und der Zugverkehr für eine Stunde lahmgelegt. Die Spezialisten des Landeskriminalamts konnten jedoch am Nachmittag Entwarnung geben. Schon im September gab es einen ähnlichen Vorfall. Als eine Frau am Abends ein verdächtiges Päckchen mit arabischer Aufschrift unter einer Brücke bei der Autobahn A73 bei Zapfendorf fand, rief sie die Polizei. Mit der Vermutung, dass es sich um eine Bombe handeln könnte, wurde die Autobahn zunächst gesperrt und das Paket untersucht. Die technische Sondergruppe konnte auch hier am späten Abend Entwarnung geben – es handelte sich um eine Attrappe.

Das Display vom Fahrkartenautomat am Bahnhof wurde mit Filzstift beschmiert …


… und der Aufzug mit Hundekot verunstaltet.

Damit aber nicht genug, denn Ende August ereignete sich ebenfalls ein Vorfall. So wurden innerhalb kurzer Zeit mehrere Bäume in Zapfendorf illegal gefällt. Die geschah bereits schon vereinzelt im Vorjahr, im August häuften sich die Taten jedoch. Beispielsweise wurde der Baum an der Kirche und vor dem Rathaus abgesägt. Ein anderes unschönes Ereignis datiert von Anfang August, als sich jemand Zutritt zu Schwimmbad Aquarena verschaffte und dort unter anderem das Schwimmbecken mit Pferdekot verunreinigte.

Natürlich liegt die Vermutung nahe, dass es sich um den selben Täter oder die selbe Tätergruppe handelt. Hier lässt sich bisher jedoch nur spekulieren.

Nun wird über die Vorfälle selbstverständlich fleißig berichtet – bundesweit, sowohl bei den öffentlich-rechtlichen als auch bei den Privatsendern. Und so entsteht, nicht nur für die Zapfendorfer, sondern auch für alle, die den Ort wahrnehmen, ein negatives Bild. Denn Zapfendorf ist bei den Suchmaschinen im Internet ohnehin nicht gerade positiv besetzt – der Ort war bereits schon mal ein großes Gesprächsthema in den Medien. Und zwar im Jahr 2014, als der damalige Zapfendorfer Bürgermeister Matthias Schneiderbanger Gelder in Höhe von rund 280.000 Euro aus der Gemeindekasse entnahm und daraufhin verhaftet wurde.


Die Tafel vom Waldkindergarten wurde stark beschmiert.


Im August fällte jemand mehrere Bäume – beispielsweise am Spielplatz in der Schulstraße.

Was sagen die Menschen?

Natürlich lösen diese Vorfälle auch Diskussionen und Gespräche bei den Leuten aus. Nachdem in der Facebook-Gruppe „Unser Zapfendorf“ am Mittwoch ein Foto von der beschmierten Tafel des Waldkindergartens veröffentlicht wurde, folgte ein reger Austausch über die Thematik.

Unter anderem wurde hitzig über die Herkunft des Täters/der Täter diskutiert. Hier vermuteten einige eine beziehungsweise mehrere Ausländer als Übeltäter, andere wiederum waren sich sicher, dass es sich um einen Zapfendorfer handelt. Ein Nutzerin äußerte: „Ich bezweifle, dass es ein Ausländer ist und denke, dass es eher eine Masche ist um gegen diese aufzuhetzen.“ Ein anderer Nutzer meint, dass es sich „nur um ein paar schwachsinnige Trottel“ handle.

Während manche User schon davon sprechen, eine Bürgerwehr zu gründen, sind andere davon überzeugt, dass „hier nur jemand Angst verbreiten möchte und das teilweise auch schon geschafft hat“. In der Gruppe wurde aber auch von mehreren Seiten erwähnt, dass es wohl Gerüchte gebe, um welche konkrete Person es sich als Täter handeln könnte – ohne Namen zu nennen. Einige Leute äußerten, dass sie bereits ihre ganz eigene Vermutung aufgestellt haben. Zu diesen Spekulationen schrieb einer der Nutzer: „Jeder erzählt hier was anderes, da sieht man dass bei so manchen die Fantasie durchgeht.“ Bezüglich der Polizei sind sich einige Gruppenmitglieder einig, dass diese zu wenig unternehme und „viel präsenter sein sollte“.


Gibt man bei Google Zapfendorf als Suchbegriff ein, schlägt die Suchmaschine als weitere Eingabe bereits „Bombe“ vor.

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Nicht „zerstören“ lassen …

von Johannes Michel

„Ein Irrer terrorisiert uns alle!“ Als RTL kürzlich die Vorfälle in Zapfendorf mit dem Fund einer Bombenattrappe am Bahnhof, die umgesägten Bäume und den Pferdekot im Schwimmbad aufgriff, fielen starke Worte. Bürgermeister Volker Dittrich sprach von einem „terrorähnlichen Akt“. Und eine befragte Bürgerin meinte sogar, sie traue sich nur noch mit einer großen Taschenlampe aus dem Haus und bewege sich nur wenige Meter weit, wenn sie abends den Hund nochmal rauslasse.

Mit Verlaub: Soweit sind wir nicht. Echter Terror sieht glücklicherweise anders aus. Und in Zapfendorf muss niemand Angst haben, sich im Freien aufzuhalten. Nichtsdestotrotz: Die Taten sind ernst zu nehmen. Besonders die jüngste. Nein, ich meine nicht den mit Hundekot beschmierten Aufzug am Bahnhof, sondern vielmehr die verunstalte Infotafel am Waldkindergarten. Denn die verrät doch einiges. Erstens: Nur ein Einheimischer kann wissen, dass an dieser Stelle ein Objekt steht, wo sich ein Beschmieren lohnt. Natürlich war die Eröffnung des Waldkindergartens auch in den Medien präsent, die Infotafel allerdings ist auf keinem Bild zu finden. Und der Platz war auch bestens gewählt, müssen doch zahlreiche Eltern hier am Morgen vorbei und ihre Kinder bringen. Zweitens: Auf der Tafel stand einmal mehr „Allahu Akbar“ – wie auch schon auf dem unter der Autobahnbrücke gefundenen Paket Anfang September. Neu ist aber ein englischer Spruch: „I’ll destroy you all“ – „Ich zerstöre euch alle“. Das „alle“ unterstreicht die Vermutung, dass hier jemand Angst und Schrecken verbreiten, die Einwohner verunsichern will.


RTL berichtete über die Vorfälle in Zapfendorf mit der Zeile „Ein Irrer terrorisiert uns alle!“.

Es kann nicht sein, dass Zapfendorf nun wieder auf den nächsten Polizeieinsatz wartet. Ideen einer Bürgerwehr, wie sie teilweise in den sozialen Netzwerken geäußert werden, sind aber genauso falsch. Und auch eine Kameraüberwachung macht wenig Sinn, die meisten Taten geschahen bisher an Orten, die gar nicht so einfach kontrollierbar sind – auf Spielplätzen, an öffentlichen Orten oder am abseits liegenden Waldkindergarten. Klar: Die Deutsche Bahn könnte ihren Bahnhofsbereich videoüberwachen (vielleicht sollte sie sich aber zuvor mal darum kümmern, dass die Aufzüge zuverlässig funktionieren).

Wir alle sollten aber verstärkt die Augen und Ohren offenhalten, in unseren Familien und unter Freunden und Bekannten die Thematik ansprechen. Das Ziel ist nicht primär, den/die Täter zu finden (auch wenn das sicher gut wäre), sondern dafür zu sorgen, dass die Taten aufhören, dass wieder Ruhe in Zapfendorf einkehrt. Denn aus Zapfendorf gibt es viel Positives zu berichten: Die Gemeinde bekam durch den ICE-Ausbau einen gut funktionierenden Lärmschutz, die Verkehrssituation hat sich mit den beiden Kreisverkehren und der schon teilweise fertigen Westtangente verbessert, die Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel ist bestens, Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte und andere Grundversorgung wie eine Apotheke oder Tankstelle sind vorhanden, es gibt es ein tolles Freibad und viele aktive Vereine (das wird auch wieder in der kommenden Advents- und Weihnachtszeit zu erleben sein). Und es warten wichtige Aufgaben: Das seit Jahren geplante Medizinische Versorgungszentrum, Folgemaßnahmen aus dem Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept wie neue Spielplätze, den Sportpark oder die Verschönerung des Ortskerns. Das alles rückt aber in den Hintergrund, denn positive Nachrichten oder Ausblicke in die Zukunft sind nun einmal (verstehe das, wer wolle) deutlich weniger beliebt als negative Meldungen. Sorgen wir dafür, dass sich das ändert!

Fotos: Johannes Michel, Markt Zapfendorf (Baum), Facebook-Gruppe „Unser Zapfendorf“ (Bilder Fahrscheinautomat und Aufzug am Bahnhof, mit Genehmigung des jeweiligen Fotografen), RTL

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