„Ein großes Glück für das Erzbistum …“

Veröffentlicht am 20. Juli 2015 von Johannes Michel

1.000 Jahre Schenkung des Fronhofs Rattelsdorf vom Kloster Fulda an das Kloster Michelsberg in Bamberg, 550 Jahre Kirche St. Peter und Paul sowie 250 Jahre Marienstatue am Marktplatz. Drei Jubiläen. Nein, sogar fünf, wie Pfarrer Reinhold Braun im Rahmen des Festgottesdienstes am Sonntag verkündete. Zumindest eines davon hat auch direkt mit Rattelsdorf zu tun.

Seit fünf Jahren gibt es in Rattelsdorf ein Kindergottesdienst-Team. Für seine hervorragende Arbeit wurde es erst kürzlich vom Erzbistum Bamberg mit dem Ehrenamtspreis ausgezeichnet. Klar, dass die Kinder Erzbischof Ludwig Schick mit einem Lied begrüßten. Der übrigens ist seit 40 Jahren Priester, also auch ein Jubiläum. Und so zählte Pfarrer Reinhold Braun ganze fünf Jubiläen.

Zum dritten Mal innerhalb kürzester Zeit war Erzbischof Schick nun schon im nördlichen Landkreis Bamberg präsent. Erst zum Kirchenjubiläum in Medlitz, dann bei den Festlichkeiten der Kuratie Hohengüßbach – und nun in Rattelsdorf. So viele Bischofsbesuche hat es in der Region mit Sicherheit noch nicht gegeben. Aber was genau wird in Rattelsdorf beim schon über Jahre vorbereiteten Dreifachjubiläum eigentlich genau gefeiert?

Rattelsdorf war einmal ein so genannter „Fronhof“

Vom 11. Mai des Jahres 1015 datiert eine Urkunde, die sich im Original im hessischen Staatsarchiv Marburg befindet. Sie dokumentiert einen Tausch. Einige Höfe, unter anderem Rattelsdorf, tauscht der Abt des Klosters Fulda gegen andere. Und so wurde Kaiser Heinrich II. Grundherr, schenkte Rattelsdorf aber an das Kloster Michaelsberg weiter. Zur damaligen Zeit war der Fronhof Rattelsdorf das Verwaltungszentrum mehrerer Dörfer eines Großgrundbesitzes. Der Ort an sich ist somit älter als 1.000 Jahre.

Dreifachjubiläum Rattelsdorf 2015
Mit einer Kirchenparade zogen die Geistlichen sowie viele Besucher in die Kirche ein.

Aus dem Jahr 1465 datiert die heutige Pfarrkirche St. Peter und Paul. Wohl, so auch Erzbischof Schick in seiner Predigt, gab es schon zuvor ein Gotteshaus, etwa in Form einer Kapelle. Das heute sichtbare Gebäude allerdings ist 550 Jahre alt und wurde 1739 barockisiert. In den Wirren der Jahrhunderte, etwa mit dem Dreißigjährigen Krieg, der auch in Rattelsdorf für große Zerstörung gesorgt hatte, wurde das Jubiläum oft vergessen, wenigen Menschen war zum Feiern zumute. 1865 ist dann aber eine Feier dokumentiert, in dem Jahr, in dem die Marienstatue am Marktplatz auch schon 100 Jahre lang stand. 1765 war sie aufgestellt worden, der Marktplatz wurde zuvor extra eingeebnet.

Drei große Feste also kann Rattelsdorf in diesem Jahr begehen – und der Höhepunkt der Feierlichkeiten war das vergangene Wochenende. Es begann mit einem Konzert des Bamberger Streichquartetts im Klostergarten, am Sonntag eröffnete ein Festgottesdienst das Pfarr- und Dorffest. Aber das war es noch nicht, denn am 14. August 2015 hält Domkapitular Dr. Norbert Jung einen Vortrag zur Geschichte der Marienstatue. Vorher findet, ebenfalls am Marktplatz, die traditionelle Marienandacht zu Maria Himmelfahrt statt. An Maria Himmelfahrt selbst, also am 15. August, schließen die Festlichkeiten mit einem Marienlob in der Pfarrkirche ab.

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Jubiläen haben eine geistige Verbindung

Als „großes Glück für das Erzbistum Bamberg“ bezeichnete Pfarrer Reinhold Braun scherzhaft die Schenkung des Ortes an das Kloster Michaelsberg. Der Festgottesdienst, unter anderem mitgestaltet von den Chören Liederkranz Rattelsdorf und Cäcilia Zapfendorf, wurde auch live ins Haus an der Itz nebenan übertragen – denn die Kirche war überaus gut besucht. In seiner Predigt verband Erzbischof Schick die drei Jubiläen: „Sie haben zwar nicht direkt etwas miteinander zu tun, dennoch haben sie eine geistige Verbindung.“ Überall dort, wo Menschen leben, gehöre immer eine Kirche dazu. Auch heute sei sie noch wichtig, um Hoffnung zu geben. Daher müsse man immer die Verbindung „Kommune – Kirche“ sehen.

Nach dem Festgottesdienst zogen Bischof, Ehrengäste und die Gottesdienstbesucher zum Festzelt am Marktplatz, wo das Pfarr- und Dorffest startete. In einem kleinen Nebenzelt waren Bilder aus der Geschichte des Ortes ausgestellt, unter anderem eine Kopie der Urkunde aus dem Jahr 1015.

 

Viele Fotos vom Dreifachjubiläum in Rattelsdorf finden Sie in unserer großen Bildergalerie (zum Öffnen einfach ein beliebiges Foto anklicken, zum Beenden der Anzeige das X in der linken Ecke oben wählen).

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