Alte Scheune: Neue Chance für „Markt“ Zapfendorf?

Veröffentlicht am 17. Juli 2020 von Johannes Michel

Ist eine Mobilstation am Bahnhof in Zapfendorf nach wie vor gewünscht, auch wenn die Kosten steigen? Könnte sich in Zapfendorf eine Art Marktscheune etablieren? Und werden die Pachtverträge für landwirtschaftliche Flächen auch ohne Vorgaben an die Nutzung verlängert? Unter anderem mit diesen Fragen hatte sich der Marktgemeinderat in Zapfendorf zu beschäftigen.

Die Sitzung des Gemeinderats am 16. Juli 2020 startete mit dem Thema „Mobilstation Zapfendorf“. Bereits im Oktober 2019 war dies Thema, das Gremium beschloss damals einstimmig, das intermodale Mobilitätskonzept des Landkreises Bamberg zu unterstützen. Nun war Markus Hammrich vom Landratsamt Bamberg erneut zu Gast und erläuterte kleinere Änderungen. Auch eine Kostensteigerung hatte er im Gepäck. Denn: Das Konzept der Mobilstationen sei zwar von der Regierung von Oberfranken in Bayreuth sehr positiv bewertet worden, die bayerische Staatsregierung hingegen habe Elemente gestrichen und die Förderpauschalen decken somit nicht den Bedarf. Der Landkreis stocke zwar seine Förderung auf, so Hammrich, für Zapfendorf bedeute das aber einen höheren Eigenanteil – er steige von rund 32.000 auf 53.000 Euro. „Aktuell besteht Kontakt mit dem Freistaat und auch dem Verkehrsministerium in Berlin, um doch noch eine höhere Förderung zu erreichen.“

Panoramaaufnahme (zum Vergrößern anklicken): So sieht es aktuell am Zapfendorfer Bahnhof aus. Die Mobilstation würde ihn zur Drehscheibe für Bahn-, Auto- und Fahrradverkehr machen.

Für die neuen Gemeinderatsmitglieder stellte Hammrich die Mobilstation nochmals vor. Enthalten sind unter anderem überdachte und auch geschlossene Fahrradstellplätze, eine Elektro-Ladesäule, Kfz-Stellplätze und eine Informationsstele. Der Baubeginn sei aktuell für das vierte Quartal dieses Jahres geplant. Insgesamt kostet die Mobilstation Zapfendorf knapp 200.000 Euro. Bürgermeister Michael Senger empfahl, trotz Kostensteigerung am Projekt festzuhalten, der Beschluss fiel dann auch erneut einstimmig.

OGV möchte die Scheune aufwerten

Zum zweiten Mal beraten wurde über die Entwicklung der Scheune auf dem Gelände „Ziegelhöfer“ gegenüber vom Anwesen Hofmann in der Hauptstraße. Der Obst- und Gartenbauverein Zapfendorf möchte die Scheune pachten und sie für Vereinsaktivitäten nutzen. Außerdem, so Gemeinderätin und OGV-Vorsitzende Klara Ott (CSU), könnte eine Art Marktscheune etabliert werden, in der regionale Erzeuger ihre Produkte anbieten könnten. Die Abtei Maria Frieden aus Kirchschletten, die einen Biohof betreibt, habe bereits Interesse bekundet. Die angrenzende Wiese könnte außerdem als Lehrgarten eingerichtet werden, da der Verein gerade auch eine Kinder- und Jugendgruppe gründet.

Für die Nutzung der Scheune sind allerdings einige Umbauarbeiten nötig, unter anderem müssen zwei Stallungen abgebaut sowie das Dach erneuert werden. Die Gemeinde habe für die Erstellung eines Vorentwurf-Planes sowie die Vermessungsarbeiten ein Angebot eingeholt, so Bürgermeister Senger, rund 8.000 Euro würde dies kosten. Die Rätinnen und Räte befürworteten die weitere Entwicklung einstimmig. Robert Zenk (Vereintes Umland) und Mona Bahr (Zukunft Zapfendorf, ZuZ) gaben aber zu bedenken, dass keine Bevorzugung des OGV gegenüber anderen Vereinen stattfinden dürfe – vielmehr sollten die Vereine insgesamt mit einbezogen werden. Gut gefiel, dass eventuell die Möglichkeit bestünde, im Rahmen der Umbaumaßnahmen eine öffentliche Toilette zu integrieren und auf dem Platz vor der Scheune einen Rastplatz für Fahrradwanderer einzurichten.

Vor der Scheune wäre ordentlich Platz, um einen kleinen Rastbereich mit Tisch und Bänken anzulegen.

Hinter der Scheune befindet sich eine größere Wiese, die Nutzgarten werden könnte.

Verpachtung gemeindlicher Flächen

Abgestimmt wurde auch über die Neuverpachtung gemeindlicher Acker- und Wiesenflächen – rund 40 Hektar hat der Markt Zapfendorf hier aktuell an Landwirte verpachtet. Bürgermeister Senger schlug vor, diese Verträge soweit möglich zu verlängern, gleichzeitig die Pacht größtenteils um 20 Prozent anzuheben. Pro Jahr nimmt die Gemeinde mit der Verpachtung rund 5.000 Euro ein. Gemeinderat Andreas Hofmann (ZuZ) fragte, ob die Gemeinde bei den Verträgen Festlegungen treffen könne, so dass etwa ökologischer Landbau vorgeschrieben werden könne. Senger erklärte, solche Festlegungen seien zweimal in jüngster Vergangenheit vom Gremium abgelehnt worden, als es um die Glyphosat-Frage ging, daher wolle er dieses Fass nicht erneut aufmachen. Dagmar Raab (Grüne/Soziales Zapfendorf) meinte, es sei damals über Ackerland, aber nicht über Wiesenflächen gesprochen worden, für die auch ein Zeitpunkt für das frühestmögliche Mähen definiert werden solle. Robert Zenk erklärte, auf Wiesen werde ohnehin nicht gedüngt und verwies ebenfalls auf den bestehenden Beschluss des Gemeinderats. Bürgermeister Senger meinte, bei vielen Wiesenflächen müsse die Gemeinde dankbar sein, überhaupt Pächter zu finden, ansonsten müsste sich der Bauhof um diese kümmern. Er trug abschließend den Beschlussvorschlag vor, dass erneut an regionale Pächter verpachtet werden und dass er die Verhandlungen führen soll und dass Einzelfallentscheidungen möglich seien, zum Beispiel, bestimmte Pächter auszuschließen. Mit zwölf zu sechs wurde dem stattgegeben.

Weitere Themen

Für Sanierungs- und Umbauarbeiten erhält die katholische Filialkirchenstiftung Sassendorf einen Zuschuss von rund 1.500 Euro. Normalerweise beteiligt sich der Markt Zapfendorf mit zehn Prozent an den ungedeckten Kosten, in diesem Fall aber mit 25 Prozent, da die Gemeinde eigentlich die Baulast für das Äußere der Kirche hat, vom Erzbistum Bamberg und der Kirchenstiftung aber günstige Bedingungen erreicht werden konnten. Somit habe die Gemeinde etwa 18.000 Euro gespart, erklärte Senger. Dieser Beschluss fiel erneut einstimmig.

Beim Stadtradeln 2020 erradelten die Zapfendorfer Teilnehmer drei Bäume für die Gemeinde, fast 9.000 Kilometer wurden gefahren. Klara Ott fragte noch nach dem aktuellen Stand „Radweg Unteroberndorf“. Senger berichtete von einem Treffen mit Breitengüßbachs Bürgermeisterin Sigrid Reinfelder. Die Planung beim Straßenbauamt laufe, ein Ingenieurbüro sei beauftragt. Eine Zeitschiene wolle er in einem Gespräch mit dem Ingenieurbüro demnächst erfragen.

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  1. Armin Dietz 20. Juli 2020 at 11:13 - Antworten

    Wenn man die Planung der letzten Jahre betrachtet, so ist zu befürchten, dass der „Sankt-Nimmerleins-Tag“ noch vor dem Radweg kommt.

  2. Bayer Reinhold 20. Juli 2020 at 18:37 - Antworten

    Die Hoffnung auf eine neue Politik durch den neuen Bürgermeister und neuen Gemeinderat in Zapfendorf ist schnell verflogen, die letzten Beschlüsse zum Thema Glyphosat beweisen dies. Wird hier eine Klientel Politik betrieben oder der Gemeinderat als Selbstbedienungsladen benutzt??? Der neue,junge Bürgermeister bereits eingeknickt ? Er will dieses Fass nicht mehr aufmachen -warum eigentlich nicht??? In vielen Kommunen Bayerns wird dieses Thema einfach durchgewunken. Der Gemeinderat könnte auch alte Beschlüsse rückgängig machen wenn er nur wollte‘! Es wurde erneut die Chance vertan ein Zeichen zu setzen -nach alten Mustern wurde entschieden. Auf Flächen der Gemeinde darf weiterhin das nach WHO- Richtlinien krebserregende Glyphosat verbreitet werden. Auf die Einzelfall Entscheidungen darf man gespannt sein. Wo bleibt das Wohl der Bevölkerung dem sich die Gemeinderäte verschrieben haben? Dabei ist es uninteressant wie groß die Flächen sind -der symbolische Akt ist entscheidend eineTrendwende einzuleiten. Wenn es um Probleme geht sind immer die anderen schuld, ob Chinesen oder Trump man muss vor der eigenen Haustüre beginnen . Es müsste ein Aufschrei durch die Bevölkerung gehen . 20 % haben übrigens das Volksbegehren‘ Rettet die Bienen‘ unterschrieben .Gute Nacht Zapfendorf der letzte macht das Licht aus.

    • Otmar Amann 21. Juli 2020 at 11:21 - Antworten

      2015 stufte die IARC, eine Unterorganisation der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ ein – abweichend von der eigenen bisherigen Einstufung. Übrigens auch abweichend vom deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), welches angeblich über 1000 Studien untersucht haben soll, um zu diesem Ergebnis zu gelangen.
      Mit der Einstufung in die „Kategorie 2A: wahrscheinlich krebserregend“ drückt die IARC lediglich aus, dass es begrenzte Hinweise auf ein erhöhtes Gefährdungspotenzial gibt, aber auch nicht auszuschließen ist, dass die der Bewertung zugrunde gelegten Krebsfälle andere Ursachen hatten. In dieselbe Kategorie stuft die IARC neben Glyphosat übrigens auch heiße Getränke über 65 Grad Celsius, rotes Fleisch, Schichtarbeit und den Friseurberuf ein.
      Sicher meint Herr Bayer mit Klientel-Politik nichts Unredliches. Besagt es doch im engeren Sinne nur, dass Klienten jemand beauftragen, ihre (politischen) Interessen wahrzunehmen. Unsere bayerische Verfassung gewährt uns dieses Recht in Wahlen und Abstimmungen. 20% haben für das Volksbegehren unterschrieben; 80% nicht. 20% wählen die eine Partei; 80% die anderen. Vermutlich erlaubt es unsere freiheitlich demokratische Grundordnung der unterlegenen Klientel sogar, ein gewähltes Organ mit klebrigen Verschwörungstheorien zu überziehen in der Hoffnung, dass vom hingeworfenen Dreck etwas hängen bleibt. Schön ist das nicht. Möge uns ein Licht aufgehen, bevor es andere ausknipsen.

  3. Reinhold Bayer 24. Juli 2020 at 07:10 - Antworten

    Zum Kommentar von Otmar Amann:
    Die inhaltlichen und sprachlichen Ergüsse im Beitrag von Herrn Amann möchte ich nicht einmal kommentieren.
    Jedoch stelle ich folgendes fest:
    Es könnte durch den Bericht der Eindruck entstehen, die Unterzeichner von „Rettet die Bienen“, unterlaufen die freiheitlich demokratische Grundordnung.
    Als jahrzehntelang aktiver Friedens- und Umweltaktivist weise ich dies öffentlich in aller Deutlichkeit und Schärfe zurück.
    Reinhold Bayer, Kirchschletten 26

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