Kinderbetreuung: Bis September 2019 braucht Hallstadt schnell neue Plätze

Veröffentlicht am 13. Dezember 2018 von Johannes Michel

Noch gar nicht lange ist es her, da war in den Kommunen eher von Überkapazitäten die Rede, sinkende Geburtenzahlen standen im Raum. In den vergangenen Jahren hat sich die Situation verändert – und immer mehr Eltern entscheiden sich außerdem, auch kleine Kinder in Betreuung zu geben. Nun muss auch die Stadt Hallstadt reagieren, zwei Kindertagesstätten stehen vor umfangreichen Erweiterungen und Umbauten. Ebenfalls im Stadtrat: Durch eine Neueinteilung der Bauabschnitte soll die Innenstadtsanierung beschleunigt werden.

Gestiegene Geburtenzahlen ab dem Jahrgang 2016 und eine höhere Buchung bei Krippenplätzen sind die Gründe für notwendiges schnelles Handeln in Hallstadt. „Zum heutigen Tag kann ab September 2019 insgesamt 17 Kindern kein Kindergartenplatz zugesagt werden, im Krippenbereich gibt es derzeit 30 Anfragen für Krippenplätze ab September 2019, die von den Einrichtungen nicht angenommen werden können.“ So war es im Sachverhaltsbericht der Stadtratssitzung vom 12. Dezember 2018 zu lesen. Erfahrungsgemäß werden zwar nicht für alle Anfragen die Krippenplätze auch benötigt, da sich die Eltern manchmal noch umentscheiden, eine Unterversorgung besteht aber dennoch.

Und so wurden in den vergangenen Wochen intensive Gespräche mit den Trägern der Kindertagesstätten im Stadtgebiet geführt, so Bürgermeister Thomas Söder. Für eine Erweiterung kristallisierten sich zwei Kindertagesstätten heraus: Der St.-Ursula-Kindergarten in Dörfleins (Träger: katholische Kirchenstiftung Dörfleins) und der Franziskuskindergarten (Träger: Dillinger Franziskanerinnen). Daher waren auch die Vertreter dieser Träger in der Sitzung zu Gast, namentlich Pfarrer Christoph Uttenreuther und die Provinzleiterin der Dillinger Franziskanerinnen, Schwester Martina Schmidt.

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Welche Neu- und Umbauten sind nötig?

Zunächst erläuterte Uttenreuther die geplante Erweiterung in Dörfleins. „Die Räumlichkeiten sind nicht das große Problem, sondern das Personal, das aktuell kaum zu bekommen ist“, erklärte er. Im vorhandenen Kindergarten könnte ein Mehrzweckraum bis September 2019 zur Kinderkrippe umgebaut werden, so dass die Krippenplätze schnell zur Verfügung stünden. Als Ersatz für den Raum biete sich ein Mehrzweckraum im Schulgebäude an. Aktuell plane die Kirchenstiftung zusammen mit dem Architekturbüro Paptistella zudem die Generalsanierung und Erweiterung des Kindergartens. Die Kirchenstiftung würde auch die Bauführung übernehmen.

Schon weiter gediehen sind die Planungen für den Franziskuskindergarten. Dort könnte ebenfalls ein Mehrzweckraum aufgelöst und für eine Kindergartengruppe genutzt werden. Angebaut werden müssten aber schnellstmöglich ein neuer Mehrzweckraum sowie eine Kinderkrippe, auch ein Speisesaal sei wünschenswert. Entsprechende Pläne von Architekt Florian Göger gab es bereits zu sehen, genauso wie die Schätzung der Baukosten auf rund 775.000 Euro. Diskutiert worden sei, so Schwester Martina, auch eine Aufstockung, um weniger Gartenfläche zu verlieren. Dann allerdings werde der Einbau eines Aufzugs nötig, der hohe Betriebskosten nach sich ziehe. Somit sei die Aufstockung keine Alternative gewesen. Stadtrat Klaus Hittinger (CSU) meinte dazu, die Stadt könne doch die Betriebskosten für den Aufzug übernehmen. „Der Verlust von Gartenfläche täte mir in der Seele weh.“. Eine Entscheidung dazu fiel aber noch nicht, da es in der Sitzung erst einmal um die Anerkennung des Bedarfs für weitere Kindergarten- und Krippenplätze ging.


Der Franziskuskindergarten soll umfangreich erweitert werden.


Die Pläne zeigen den Bestand (oben) und die Räume nach der Erweiterung (unten). Auch ein Speisesaal ist geplant (zum Vergrößern und für Details antippen oder anklicken). 

Auf Kritik stieß die nötige Eile bei der SPD-Fraktion. Hans-Jürgen Wich und Heiko Nitsche wiesen darauf hin, dass ein Antrag zur Generalsanierung und Erweiterung des Kindergartens in Dörfleins schon in den Stadtrat eingebracht worden sei, Bürgermeister Thomas Söder habe allerdings damals die Dringlichkeit abgelehnt. „Sie haben maßgeblich Schuld daran, dass wir nun unter Zeitdruck stehen“, so Nitsche. Söder wies dies zurück: „Zum damaligen Zeitpunkt war der Bürgerentscheid vorrangig, Anträge, die diesem entgegenstanden, waren erst einmal nicht zu behandeln.“ Im September hatte der Bürgerentscheid dann ergeben, dass in Dörfleins kein Kinderzentrum mit neuem Schulgebäude errichtet werden soll. Zu diesem Zentrum hätte auch die Erweiterung des Kindergartens gehört.

Trotz einiger Diskussionen stand am Ende aber eine einstimmige Entscheidung zu Buche – für die Erweiterung der beiden Kindertagesstätten. Kämmerer Markus Pflaum rechnet mit einer hohen Förderquote von 70 bis 90 Prozent, so dass die Kosten, die auf die Stadt zukommen, im Rahmen bleiben dürften.

Innenstadtsanierung: Ein Jahr gewonnen?

Kurz angesprochen wurde in der Sitzung das Thema Innenstadtsanierung. „Wir kommen schneller voran als gedacht und können mit einer Neueinteilung der Bauabschnitte ein Jahr einsparen“, so Söder. Als nächstes ist der Bereich von der Stadtbücherei bis zur Kreuzung Lichtenfelser Straße / Am Sportplatz (kurz vor der Kurve) vorgesehen, schon im Frühjahr soll es losgehen. Der Bauabschnitt wird in Baufelder eingeteilt sein, so dass die Anlieger jederzeit ihre Gebäude erreichen können.

Für eine kurze Debatte sorgte die Idee eines Künstlerwettbewerbs zur Schaffung eines neuen Denkmals am Marktplatz. Dem stimmten nicht alle Stadträte zu, bei zwölf zu sechs Stimmen wurde der Wunsch aber dennoch angenommen.


Im Jahr 2019 soll es schneller als geplant weitergehen.

Photovoltaik auf der ehemaligen Deponie?

Ein weiteres großes Thema der Sitzung war die mögliche Erstellung einer Photovoltaikanlage auf dem ehemaligen Deponiegelände nahe der Autobahn A73. Dazu stellte Markus Weber vom Institut für Energietechnik aus Amberg die Optionen vor. Maximal möglich sei eine Anlage mit einer Leistung von 1.500 kWp, die müsste aber in zwei Abschnitten gebaut werden, da hohe EEG-Vergütungen nur für Anlagen bis maximal 750 kWp gezahlt werden. Nach zwei Jahren könnte die 750-kWp-Anlage dann aber problemlos erweitert werden. Die Investitionskosten für 1.500 kWp bezifferte Weber auf rund 1,9 Millionen Euro.

Er lieferte auch eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung mit. Demnach amortisiert sich die 1.500-kWp-Anlage nach rund 15 Jahren. „Hohe Erträge, wie vielleicht von einigen erwartet, lassen sich nicht erzielen“, erklärte Bürgermeister Thomas Söder dazu. „Es geht uns aber insbesondere um das Thema Umweltschutz.“ Auch Ludwig Wolf (BBL/FW) war der Meinung, Hallstadt solle hier vorangehen. Denn Hallstadt könne mit einer solchen Anlage für sich werben, schließlich würde rechnerisch der Stromverbrauch alle Liegenschaften der Stadt dann mit der zu produzierenden Strommenge abgedeckt. Eine direkte Eigennutzung, so Weber, sei allerdings nicht möglich, da dazu physikalische Leitungen zwischen der Photovoltaikanlage und den Verbrauchsstellen notwendig wären und dies wirtschaftlich nicht darstellbar sei. Nun werden sich die Stadtratsfraktionen eingehend mit dem Thema beschäftigen.


Auf dem Gelände der ehemaligen Deponie böte sich eine Photovoltaikanlage an.

Und noch ein Beschluss fiel: Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat wird auf städtischen Flächen nicht mehr zum Einsatz kommen. Für die Unkrautbekämpfung setzt die Stadt auf die Heißwasser-Technik, das Unkraut wird dabei besprüht und die Zellstrukturen der Unkrautpflanzen werden nachhaltig zerstört. Die Entscheidung betrifft allerdings nicht landwirtschaftliche Flächen der Stadt, die verpachtet sind. „Laut Gesprächen mit Landwirten wird Glyphosat in Hallstadt allerdings ohnehin nur selten benötigt“, ergänzte Söder.

Pläne / Grafiken: Göger Architektur (Franziskuskindergarten), RSP-Architekten (Innenstadtsanierung), Institut für Energietechnik (Deponiegelände)

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  1. Dr. Henning Teiwes 13. Dezember 2018 at 15:58 - Antworten

    Bürgermeister Söder wird kreativer. Durch die kurzfristige Umstruktrierung der Sitzungspunkte und die Verlängerung der vorgezogenen nichtöffentlichen Sitzung um 20 Minuten konnte eine Behandlung der Dauerbaustelle auf der ehemaligen B4 weitestgehend zurückgestellt werden. In einer betrieblichen Praxis könnte man sich solches nicht erlauben.

    Jetzt will Herr Söder auch noch durch Neueinteilung der Bauabschnitte 1 Jahr Bauzeit sparen! War hiermit gemeint, dass der Ausbau der ehemaligen B4
    noch länger als 1 Jahr dauert?

    Wenn AWO und Stadt Hallstadt keine Krippenplätze schaffen können, dann geht es halt nur mit der Kirche.

    Unter Zirkel galt „Hallstadt geht es gut“. Jetzt gilt offensichtlich „Hallstadt geht es zu gut“. Sonst würde wohl nicht diskutiert, ob Hallstadt das Klima aus Steuermitteln retten soll. Protzige Planungen sollten immer von Verwaltungsjuristen und nie von Kaufleuten durchgeführt werden. Dass Herr Markus Weber hinter seinem Forschungsgebiet steht, kann man Ihm nicht verdenken. Schaun wir mal, wer dieses Projekt durchführt.

    Allen Freiwilligen aus der Verwaltung ein Frohes Fest!

  2. Artur Wolfschmitt 13. Dezember 2018 at 16:24 - Antworten

    Wenn Herr Pfarrer Uttenreuther anführt, daß „Die Räumlichkeiten sind nicht das große Problem, sondern das Personal, das aktuell kaum zu bekommen ist“, sollte man bei der Kath. Kirche im Bistum Bamberg die Einstellungskriterien überprüfen. So lange gut ausgebildete Erzieherinnen,die mit Kind und Partner, alle drei getauft, aber ohne kirchliche Trauung in einem Haushalt leben ablehnt werden????

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